Über 2,6 Mio. Österreicher leben in 100 km-AKW-Gefahrenzone

Innsbrucker Unternehmen GeoVille erstellt im Rahmen eines EU-Projekts AKW-Gefahrenkarte für Österreich

In einem 20 km-Radius wird die Bevölkerung evakuiert. Im Fall von Fukushima ist sogar eine komplette, langfristige Sperrung dieses Gebiets per Gesetz angedacht. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat der japanischen Regierung aufgrund der erhöhten Strahlenbelastung geraten, die Evakuierungszone auf 40 km auszuweiten. Wie aus der Karte ersichtlich, wären bei einem ähnlichen Zwischenfall im tschechischen Dukovany bereits Gebiete im nördlichen Niederösterreich betroffen (fast 6.000 Menschen).

Über 2,6 Mio. Menschen leben in Österreich in einem Umkreis von 100 km rund um ein AKW. Den Menschen im Umkreis von 100 km vom Umfallort wird empfohlen, in den Häusern zu bleiben und Jodtabletten einzunehmen. Der Strahlenschutzratgeber des Innenministeriums  empfiehlt den Landwirten, die Felder abzudecken und die Tiere in die Stallungen zu bringen. Für die tatsächliche Gefährdung und eine mögliche radioaktive Kontamination müssen jedoch auch Faktoren wie die Wetterlage, Wind und Niederschlag berücksichtigt werden.

Die Karte zeigt deutlich, dass in vielen Regionen eine Doppelgefährdung vorliegt. AKWs in Deutschland (Isar), der Tschechischen Republik (Temelín, Dukovany) und Slowakei (Bohunice) bedrohen die Großstädte Wien und Linz sowie weite Teile von Nieder-, Oberösterreich und Randgebiete von Salzburg und dem Burgenland. Die südlichen Bundesländer Kärnten und Steiermark wären durch das slowenische AKW Krško betroffen. Die Anzahl der betroffenen Einwohner wird über hochgenaue Karten zur Bevölkerungsverteilung geschätzt, welche mittels Satellitendaten und aus Daten der amtlichen Statistik berechnet werden.

Die Kernkraftwerde rund um Österreich basieren zumeist auf veralteter Technologie und sind teilweise bereits seit über 30 Jahren in Betrieb. Wie der Tschernobyl-Unfall vor 25 Jahren zeigte, können bei einem Super-GAU auch Gebiete weit außerhalb der Gefährdungszone Zone kontaminiert werden.

Die Karten wurden von der Firma GeoVille GmbH im Rahmen eines EU Projektes (geoland 2) für ganz Europa erstellt. GeoVille ist ein Dienstleister im Bereich der satellitengestützen Erdbeobachtung mit Sitzen in Innsbruck und Luxemburg.

Bild: (c) GeoVille

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