#dienetzwerkerinnen – Ein Frauennetz zur gegenseitigen Unterstützung und zum Online Empowerment

Im Projekt „Die Netzwerkerinnen“ wurden ein Online-Netzwerk mit Frauen entwickelt und für Frauen angeboten. Dabei standen Online-Austausch und gemeinsame Online-Lernprozesse im Vordergrund und es wurden Wege zur Mitgestaltung des digitalen Wandels erforscht. Die im Online-Frauennetzwerk erarbeiteten Materialien wurden unter einer offenen Lizenz auf der Website dienetzwerkerinnen.at zur Verfügung gestellt.

#dienetzwerkerinnen

 

Projektbeschreibung

Ausgangssituation

Frauen im Berufsleben kämpfen auf verschiedenen Ebenen um Gleichstellung und um die gleichen Karrierechancen. So sind beispielsweise Frauen in der Wirtschaft und im Top Management unterrepräsentiert (McKinsey Report 2017) und finden als Gründerinnen weniger leicht InvestorInnen, obwohl sich Start-ups von Frauen laut einer Studie der Boston Consulting Group (2018) wirtschaftlich besser entwickeln.

Trainings- und Coachingproesse in Netzwerken können sich auf Gendergleichheit und Inklusion positiv auswirken (vgl. auch Walenta, 2006).

Ziele/Herausforderung

Hier setzt das Frauennetz an: Beginnend mit einer Gruppe von Kleinst- und Kleinunternehmerinnen sowie einer engagierten Kleingruppe aus einem großen Unternehmen wurde zunächst ein Netzwerk aufgebaut, das sukzessiv für weitere Frauen geöffnet wurde. Die Ergebnisse stehen als Open Educational Resources weiteren Personen zur Verfügung.

Im Frauennetz gilt dabei „digital first“: Der überwiegende Anteil der Projektkommunikation und -kooperation läuft ausschließlich online ab. Die Frauen können im Rahmen einer „Research through design“-Technik mit dem Lernökosystem experimentieren, Probleme lösen und Kompetenzen erwerben. Die Begleitforschung widmete sich Fragen zum Online-Netzwerken, zu Online-Prozessen und Online-Räumen.

Ergebnisse/Nutzen/Innovation

Im Netzwerk wird online, situativ, on-the-job und offen kollaboriert:

  • Online: Die Frauen stärkten sich im Netzwerk gegenseitig, unterstützten sich im beruflichen und privaten Alltag und erforschten Wege zur Mitgestaltung des digitalen Wandels.
  • Situativ & On the Job: Im Online-Frauennetzwerk arbeiteten die Frauen in einem moderierten Austauschprozess an ihren aktuellen Problemen, wobei kreative, visuelle Lösungsansätze wesentlich einflossen.
  • Offen: Die erarbeiteten Materialien stehen als Open Educational Resource bei Interesse jeder Frau (und jedem Mann) unter einer offenen Lizenz zur Verfügung. Im vierwöchigen Online-Lernvergnügen im letzten Projektjahr mit 22 verschiedenen Aktivitäten, 138 Anmeldungen und 94 Workshopbesucher:innen konnte man sich in die diversen Inhalte vertiefen und sich darüber austauschen.

Das Projekt „Die Netzwerkerinnen“ fördert somit die Gleichstellung von Frauen durch Empowerment, Kompetenzaufbau und Sichtbarmachung als Expertinnen.

„Im Projekt #dienetzwerkerinnen arbeitete eine engagierte Frauengruppe online zusammen, mit dem Ziel den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten!“

Die Covid-Pandemie beschleunigte im Projekt die Auseinandersetzung mit der Online-Welt. Anhand der Serie “Didaktische Kleinigkeiten” in 3 Staffeln wurden für Frauen (und allen anderen Interessierten auch) in meist multimedialen Posts (Grafiken, Comics, Audiopodcasts) Beispiele für erfolgreiche Online-Lernformate zur Verfügung gestellt, anfangs in zwei Episoden pro Woche.

Im Frauennetzwerk vermischten sich Online- und Offline-Welt.

Im dritten Jahr wurden unsere Veranstaltungen, Workshops, Aktivitäten 429-mal besucht. Insgesamt konnten wir über 900 Online-Teilnehmende verzeichnen. Über 440 unterschiedliche Frauen wurden erreicht. Insgesamt 61 Frauen haben/hatten sich aktiv zum Netzwerk angemeldet. Insgesamt haben 139 Personen (meist Frauen) die Website abonniert.

Die Frauen unterstützten sich und lösten gemeinsam Probleme. Das für Online-Sessions weiterentwickelte Format der Kollegialen Beratung war dazu ein nützliches Werkzeug. 

Welche Forschungsfragen sind noch offen bzw. haben sich neu ergeben?

Im Frauen-Netzwerk konnte ein ständiger Wechsel zwischen beruflichen und privaten Themen und Herausforderungen in der privaten und beruflichen Welt der Frauen beobachtet werden. Bei den Frauen im Netzwerk fließt Privates und Berufliches stark ineinander (konträr zum im Projektantrag geplanten reinen beruflichen Netzwerk). Sichtbar wurde das etwa in den entwickelten Formaten, in denen das Ankommen und Festhalten, wie es mir gerade geht, ein wesentlicher Teil war, um den intensiven fachlichen Diskurs und die Entwicklung von Ideen zu fördern. 

Die Themen, die im Netzwerk auftraten, waren oft sinnstiftend. Dies lässt sich auch an den großen Themenbereichen unseres Online-Lernvergnügens (vierwöchiger Online-Kurs) ablesen: Diversität, Nachhaltigkeit, die #netzwerkerinnen und ich. Online-Formate ermöglichen Frauen flexibler an gemeinsamen Lernprozessen teilzunehmen. Im intensiven Austausch während des Projekts haben wir gesehen, dass Frauen trotz der großen Flexibilität immer wieder aus dem Netzwerk gefallen sind, verschwunden sind und einige Zeit später wieder zurückgekommen sind (oder auch nicht). Das Empowerment der Frauen in diesem offenen, partizipativen Projekt zum Umgang mit der Online-Technik hat hervorragend funktioniert. 

Die Kreativität der Frauen Neues (oft aus Altem) zu erfinden und insbesondere eine enge Verbindung von offline und online Prozessen/Aktivitäten zu schaffen, ist beeindruckend. (Bsp: wir waren online verbunden, machten jedoch Käse in der eigenen Küche – wir schauten uns beim Spazierengehen die Welt durch die Genderbrille an und waren online mit einer Diskussionspartnerin vernetzt).

Im dritten Projektjahr widmeten wir uns auch den Fragen: „Wie kann partizipatives Lernen gelingen?“ und „Wie kann der Einsatz von Online-Tools für Meetings und Konferenzen positive Emotionen auslösen, netzwerken, small talk sowie natürliche und konstruktive Diskussionen fördern?“ 

Verzögerungen in der Datenübertragung, fehlende räumliche und körperbezogene Information, eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten beeinträchtigen unsere Interaktion, machen es uns schwer, soziale Eingebundenheit zu erleben, ermüden uns [1] Offenen Kommunikations- und Wissenskonstruktionsformate in Verbindung mit Tools, die höhere Autonomie und Bewegung erlauben [2,3] fördern eine aktivere und entspanntere Haltung und tragen dazu bei, dass wir uns wohlfühlen.

In einem von uns organisierten Barcamp, das auf wonder.me durchgeführt wurde, versuchten wir eine Online-Umgebung zu bauen, die für alle Teilnehmenden angenehm und einladend wirkt und die partizipatives Lernen fördert.

Literatur: [1] Morris, B. (2020). Why does zoom exhaust you? Science has an answer. Wall Street Journal, March, 27. https://www.darley.com/documents/general_content/Why_Does_Zoom_Exhaust_…

[2] Holman C., Kent B.A. & Weissgerber T. L. (2021). How to connect academics around the globe by organizing an asynchronous virtual unconference [version 2; peer review: 2 approved]. Wellcome Open Res 2021, 6:156 (https://doi.org/10.12688/wellcomeopenres.16893.2) | 

[3] Kuklinski‑Rhee, T. (2021). Von Zoom in die VR-Totale Visuelle Perspektiven für den Online-Unterricht. DaFSzene Korea, 111-129. https://lvk-info.org/wp-content/uploads/DaF-Szene/DaF-Szene-Korea-52_WE…

[4] Wonder Technologies GmbH. What is Wonder? https://wonder.me/about-u
 

Die #netzwerkerinnen beim internen Kick-off-Meeting im Jänner 2020. Foto: Linda Michelitsch, FH JOANNEUM

Die #netzwerkerinnen beim internen Kick-off-Meeting im Jänner 2020.
Foto: © Linda Michelitsch, FH JOANNEUM

 

Eckdaten

Programm/Ausschreibung

Laura Bassi 4.0

Projektlaufzeit (von bis)

01.11.2019 – 31.10.2022

Projektpartner*innen

FH JOANNEUM Gesellschaft mbH (Projektkoordination)

blocksatz Müller e.U.

inside|out communications

Mag. Isabella Bösch-Weiss

GUT Gender & Technik e.U.

Research & Data Competence OG

Wirecard Central Eastern Europe GmbH

Kontakt

Mag.a Dr.in Jutta Pauschenwein

jutta.pauschenwein@fh-joanneum.at