KLON: Gender and evaluation criteria

Gender and evaluation criteria in FFG selection procedures

Appropriately considering gender in research supports the quality of the research project. Consequently, gender criteria are taken into account when evaluating project proposals. Gender criteria affect all aspects of a research project: where individuals or groups are the subject of research will apply or use the research results, or will be impacted by the results, this must be taken into account in the research design. These comprehensive gender aspects are evaluated according to three gender criteria included in the main criteria: Quality of the project, Benefit and exploitation, Suitability of project participants.

  • Quality of the project: To what extent have gender-specific topics been taken into account in the planning process, e.g. in research questions and methods?
  • Benefit and exploitation (not in all funding programmes): Appropriately considering gender aspects in the market perspective increases the exploitation prospects for the project results.  This will be taken into account when evaluating the economic potential and exploitation prospects.
  • Suitability of funding applicants/project participants: Does the composition of the project team reflect the aim to improve the gender balance in the sector?

The criteria and their role in the selection process are specified in the guidelines for the funding instruments available for the relevant call.

In some programmes, gender aspects play a special role and some programmes' criteria also encompass other diversity aspects. Additional information can be found in the relevant call guidelines.

From an intersectional understanding of gender—one that also considers other diversity dimensions such as age, physical and cognitive abilities, etc.—the gender criteria serve as a gateway to fostering awareness of diversity in the research context. Sustainability aspects and the Sustainable Development Goals (SDGs) are also closely linked to gender and diversity dimensions.

Together, sustainability and gender considerations ultimately aim to ensure that public funding supports innovations that respect the needs, expectations, and values of people in Austria, thereby creating societal value. This objective is also reflected in the approach of Responsible Research and Innovation (RRI).

The criteria and their role in the selection process can be found in the guidelines of the specific funding instruments applicable to each call for proposals.

In certain funding programs, gender aspects play a particularly significant role. Additional information on these cases is available in the respective call guidelines.

The gender criteria are part of a broader strategy to achieve gender equality in research and development. Their political and legal foundations lie in gender budgeting and impact objectives set by the commissioning ministries of the FFG.

Wann ist ein Forschungsprojekt genderrelevant und muss die Genderdimension im Projektinhalt berücksichtigen?

  • Wenn die Forschung oder Entwicklung von Produkten, Prozessen oder Verfahren auf spezifische bzw. unterschiedliche Anwender:innengruppen ausgerichtet ist.
  • Wenn Personen oder Personengruppen Forschungsgegenstand in einem Forschungsprojekt sind.
  • Wenn Personen oder Personengruppen nicht Gegenstand der Forschung sind, diese jedoch von den Ergebnissen der Forschung im Alltag und Beruf betroffen sind.

Viele Forschende stehen immer wieder vor der Frage, wie und ob überhaupt ihre Forschung Genderthemen berührt. Im Zentrum der Frage nach der Relevanz von Gender für ein bestimmtes Forschungsthema sollten primär Bemühungen stehen, die wissenschaftliche Aussagekraft und Qualität, aber auch deren sozialen Impact maximal zu erhöhen. Geschlechtersensible Forschung bedeutet sowohl auf eine Geschlechterbalance im Forschungsteam zu achten, als auch für das Thema Gender in der Forschung sensibilisiert zu sein und die möglichen Auswirkungen auf die Forschungspraxis zu berücksichtigen.

 

Beispiel Gendermedizin
Prominente Beispiele für den Einfluss von Gender auf Forschung sind beispielweise die Erkenntnisse der immer bedeutsamer werdenden Gendermedizin. Diese hat gezeigt, dass auf den männlichen Körper standardisierte Medikamente und daraus resultierende Dosierungs- und Nebenwirkungsrichtlinien, nicht auf alle Personengruppen übertragbar sind und daher oft unerwünschte Effekt erzeugen. Darüber hinaus hat sie auch gezeigt, dass die Symptome und deren Wahrnehmung ebenfalls mit dem Geschlecht – seinen biologischen Besonderheiten, aber auch seinen anerzogenen sozialen Rollen – zusammenhängen können (etwa Herzinfarkt).
Beispiel Technologieentwicklung
Ebenfalls relevant wird Geschlecht in der Entwicklung von Technologien, die von unterschiedlichen Geschlechtern unterschiedlich genutzt werden. Ein prominentes Beispiel ist die Modellierung und Fahrzeugsicherheit: Studien an Crash-Test-Dummies, welche primär männlichen Proportionen und Körperkonfigurationen nachempfunden worden waren, haben zur Folge, dass Autounfälle für Frauen im Durchschnitt häufiger zu starken Verletzungen führen und öfter tödlich enden.

 

Für Forschende ist es daher wichtig, eine strukturierte Reflexion der Dimension Gender in ihre Forschung zu integrieren. Geschlecht spielt im gesamten Forschungszyklus eine wichtige Rolle und kann mit einigen angeleiteten Fragen systematisch bearbeitet werden:

Was ist ein gendergerechtes Forschungsdesign?

Ein gendergerechtes Forschungsdesign berücksichtigt Genderaspekte im gesamten Verlauf eines Forschungsprojekts dort, wo sie relevant sind. Dabei geht es z. B. um die Definition der Forschungsfragen und -hypothesen, die gesteckten Ziele, die Methodik, die Dissemination und Verwertung:

Entwickeln Sie geschlechtersensible Ideen für Forschungsprojekte und stellen Sie geschlechtersensible Forschungshypothesen auf:

  • Wenn die Forschung Menschen einbezieht bzw. wenn Produkte und Dienstleistungen entstehen, die von Menschen genutzt werden sollen: Ist die Relevanz von Gender für das Forschungsthema analysiert worden?
  • Wenn die Forschung nicht direkt Menschen einbezieht, sind die möglicherweise differenzierten Beziehungen von Männern und Frauen zum Forschungsgegenstand hinreichend klar?
  • Haben Sie Literatur und andere Quellen zu geschlechtsspezifischen Unterschieden im Forschungsfeld gesichtet?

Geschlechtersensible Forschungsfragen formulieren, ein gemischtes Team zusammenstellen (mit Personen aller Geschlechter), geschlechtergerechte Arbeitsbedingungen schaffen, eine geschlechtersensible Methodik wählen:

  • Stellt die Methodik sicher, dass (mögliche) geschlechtsspezifische Unterschiede untersucht werden, das heißt, dass während des gesamten Forschungszyklus geschlechtsspezifisch differenzierte Daten erhoben und analysiert werden und in die abschließende Veröffentlichung einfließen?
  • Erläutert der Vorschlag ausdrücklich und umfassend, wie geschlechtsspezifische Fragen behandelt werden?
  • Wurden mögliche unterschiedliche Ergebnisse und Auswirkungen der Forschung auf Personen aller Geschlechter berücksichtigt?

In der eigentlichen Forschungsphase ist es wichtig, die Wertschätzung der Arbeit von Männern und Frauen, sowie anderer Personengruppen und die Gleichstellung der Geschlechter sicherzustellen. Darüber hinaus werden die geschlechtsbezogenen Überlegungen und Parameter im Forschungsprozess umgesetzt:

  • Sind die Fragebögen, Erhebungen, Fokusgruppen usw. so konzipiert, dass potenziell relevante geschlechtsspezifische Unterschiede in Ihren Daten aufgedeckt werden können? 
  • Sind die an dem Projekt beteiligten Gruppen (z. B. Stichproben, Testgruppen) geschlechtsspezifisch ausgewogen? 
  • Werden die Daten nach der Variable Geschlecht analysiert? Werden andere relevante Variablen in Bezug auf das Geschlecht analysiert (z. B. sozioökonomische Faktoren, algorithmischer Bias etc.)?

Geschlechtsspezifisch berichten und die verwendete Sprache reflektieren:

  • Werden in den Analysen Statistiken, Tabellen, Abbildungen und Beschreibungen präsentiert, die sich auf die relevanten geschlechtsspezifischen Unterschiede konzentrieren, die im Laufe des Projekts zutage traten?
  • Gehören Institutionen, Abteilungen und Zeitschriften, die sich mit Gender befassen, ebenso zu den Zielgruppen für die Verbreitung wie Mainstream-Fachzeitschriften?  
  • Haben Sie eine spezielle Veröffentlichung oder Veranstaltung zu geschlechtsspezifischen Ergebnissen in Betracht gezogen?

Bewertungskriterien

Die Genderkriterien werden in der Bewertung von Projektanträgen berücksichtigt. Die Genderkriterien betreffen alle Aspekte eines Forschungsprojektes: Wenn Personen(gruppen) Gegenstand der Forschung sind und/oder die Anwendung oder Nutzung der Forschungsergebnisse durch Menschen erfolgen wird bzw. Personen durch die Ergebnisse betroffen sind, muss dem im Forschungsdesign Rechnung getragen werden. Bewertet werden diese umfassenden Genderaspekte anhand von drei Genderkriterien bei den Hauptkriterien „Qualität des Vorhabens“, „Nutzen und Verwertung“ und der „Eignung der Projektbeteiligten“:

Kriterium Bewertungsgegenstand Beschreibung
Qualität des Vorhabens Projektinhalt Inwieweit wurden bei der Planung genderspezifische Themen berücksichtigt, z. B. in Forschungsfragen und Methoden?
Nutzen und Verwertung Projektinhalt Die angemessene Berücksichtigung von Genderaspekten bei der Marktperspektive erhöht die Verwertungschancen der Projektergebnisse. Dies wird bei der Bewertung des ökonomischen Potentials und der Verwertungschancen berücksichtigt.
(nicht bei allen Förderprogrammen)
Eignung der Projektbeteiligten Projektteam Wurde bei der Zusammenstellung des Projektteams darauf geachtet, die branchenüblichen Verhältnisse der Geschlechter mit dem Ziel der Ausgewogenheit zu verbessern?

Wissenswertes

Gender in Forschungsprojekten

Im Sinne eines intersektionalen Verständnis von Gender, bei dem auch andere Diversitätsdimensionen wie Alter, körperliche und geistige Fähigkeiten etc. berücksichtigt werden sollen, verstehen sich die Genderkriterien als Türöffner zum Nachdenken über Diversität im Forschungskontext. Auch die Nachhaltigkeitsaspekte und Sustainable Development Goals haben eine Schnittstelle zu Gender- und Diversitätsdimensionen. Zusammengenommen sollen Nachhaltigkeit- und Genderaspekte letzlich darauf hinarbeiten, dass mit Fördergeldern der öffentlichen Hand auch Innovationen unterstützt werden, die Bedürfnisse, Erwartungen und Werte der Menschen in Österreich respektieren und damit einen gesellschaftlichen Mehrwert darstellen. Dieses Ziel wird auch im Ansatz Responsible Research and Innovation verfolgt. 

Die Kriterien und ihre Rolle im Auswahlverfahren sind in den Leitfäden der für die jeweilige Ausschreibung geltenden Instrumente zu finden.

In manchen Förderungen nehmen Genderaspekte eine besondere Rolle ein. Hier finden sich zusätzliche Informationen in den betreffenden Ausschreibungsleitfäden.

Die Genderkriterien sind Teil einer Strategie, Gleichstellung in Forschung und Entwicklung zu erreichen. Ihre politischen und gesetzlichen Grundlagen haben Sie in Genderbudgeting und Wirkungszielen den auftraggebenden Ministerien der FFG.  

Beispiele für die Genderdimension in Forschungsprojekten

Die Förderung von Forschungsinhalten unter besonderer Berücksichtigung von Gender- und Diversitätsdimensionen wird zukünftig direkt über die Ausschreibungen in den Themen des BMIMI erfolgen. Dafür wird die Genderdimension in Zielen bzw. Schwerpunkten von ausgewählten thematischen Ausschreibungen des BMIMI verankert. Die bisher geförderten FEMtech Forschungsprojekte leisteten wertvolle Sensibilisierungs- und Überzeugungsarbeit. Nun wird die Förderung von Forschungsprojekten mit Gender- und Diversitätsdimensionen in die thematische Breite ausgerollt und in den Mainstream gebracht, daher sind aktuell keine weiteren spezifischen Ausschreibungen von FEMtech Forschungsprojekten geplant.

About the FFG

The Austrian Research Promotion Agency (FFG) is the national funding institution for industry-related research and development in Austria. FFG funding plays a key role in generating new knowledge, developing new products and services, and thereby becoming more competitive in the global market.
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