Chronische Nierenerkrankungen (CKD) betreffen weltweit über 850 Millionen Menschen und stellen eine wachsende gesundheitliche und sozioökonomische Belastung dar. Trotzdem wird CKD im Vergleich zu anderen Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor unterschätzt. Bis heute fehlen umfassende Ansätze, um die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, ihren Verlauf vorherzusagen und eine personalisierte Behandlung zu ermöglichen.
Hier setzt das österreichische Unternehmen Delta4 mit ihrem EU-finanzierten Projekt PICKED (PersonalIzed medicine in Chronic KidnEy Disease) an.
Ziel ist es, durch innovative Forschung und Ausbildung die personalisierte Medizin bei chronischen Nierenerkrankungen entscheidend voranzubringen und damit langfristig die Versorgung von Millionen Betroffenen zu verbessern.
Das Projekt
PICKED ist ein von der Europäischen Union im Rahmen der Marie Skłodowska-Curie Doctoral Networks gefördertes Netzwerk. Im Zentrum steht die Ausbildung von zehn exzellenten Doktorand:innen, die interdisziplinäre Kompetenzen in Biomedizin, Klinik, Technologieentwicklung, Bioinformatik, Ethik und Recht vereinen.
Inhaltlich konzentriert sich PICKED auf fünf eng miteinander verknüpfte Arbeitspakete (WP):
- Früherkennung von CKD in Risikogruppen (WP1):
Entwicklung und Validierung von Biomarker-Signaturen für Patient:innen mit angeborenen Nierenerkrankungen und nach akutem Nierenversagen.
- Vorhersage der Krankheitsprogression (WP2):
Identifikation multiparametrischer Protein- und Peptidmarker zur personalisierten Risikoabschätzung bei Erwachsenen und Kindern.
- Personalisierte Pharmakotherapie (WP3):
Untersuchung von Biomarker-Profilen zur Vorhersage individueller Medikamentenantworten und zur Unterstützung von Drug Repurposing.
- Personalisierte Dialyse (WP4):
Entwicklung innovativer Online-Monitoring-Technologien zur Anpassung der Dialysetherapie an den individuellen Stoffwechsel.
- Ethische, rechtliche und Lebensqualitätsaspekte (WP5):
Analyse gesellschaftlicher, regulatorischer und ethischer Rahmenbedingungen für die Implementierung personalisierter Medizin bei CKD.
Neben der wissenschaftlichen Arbeit legt das Projekt großen Wert auf Ausbildung und Wissensaustausch. Die Doktorand:innen profitieren von einer engen Vernetzung zwischen akademischen Einrichtungen und Industriepartner:innen, internationalen Secondments sowie gezielten Trainings von Projektmanagement über Entrepreneurship bis hin zu Wissenschaftskommunikation.
PICKED vereint zehn europäische Institutionen und neun assoziierte Partner:innenorganisationen aus den Bereichen Forschung, Klinik und Industrie. Diese enge Zusammenarbeit stellt sicher, dass Forschungsergebnisse direkt in klinische Anwendungen und regulatorische Rahmen überführt werden können. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der personalisierten Nephrologie und zur Stärkung der europäischen Innovationslandschaft im Gesundheitswesen.
Die Rolle des österreichischen Partners
Delta4 vertritt Österreich im PICKED-Konsortium. Das TechBio-Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Medikamentenentwicklung mithilfe von Big Data und computergestützten Modellen zu optimieren.
Forschungsschwerpunkt von Delta4 im PICKED Projekt liegt auf der Entschlüsselung von molekularen Krankheitsprozessen am Übergang von akutem Nierenversagen zu chronischen Nierenerkrankungen. Ein besseres Verständnis könnte so zu einer verbesserten Krankheitsprognose beitragen sowie zu neuen beziehungsweise optimierten Therapieregimen führen.
Der Mehrwert eines EU-Projekts
"Ein EU-Projekt wie PICKED bietet die einzigartige Möglichkeit, ein starkes internationales Netzwerk aufzubauen und gleichzeitig exzellente Nachwuchstalente auszubilden. Durch die enge Zusammenarbeit von Universitäten, Kliniken und Unternehmen entstehen Synergien, die wissenschaftliche Innovation beschleunigen und die Umsetzung neuer Konzepte in die Praxis erleichtern," so Paul Perco von Delta4.
Neben dem PICKED Projekt ist Delta4 derzeit noch im PROMOTE Projekt als Partner dabei. Ziel des Projekts ist es, neue Therapiekonzepte für Patient:innen mit Prostatakrebs zu entwickeln auf Basis des Konzepts der synthetischen Lethalität.
Außerdem ist das Unternehmen in der COST Action PerMediK vertreten, die sich damit beschäftigt, Konzepte der personalisierten Medizin im Bereich von chronischen Nierenerkrankungen zu entwickeln.