Angesichts des immer trockener werdenden Klimas, stellten sich die Mikrobiologin Birgit Mitter und der Lebensmittel- und Biotechniker Nikolaus Pfaffenbichler die entscheidende Frage: Wie kann die Landwirtschaft auf die großen Veränderungen reagieren? Ihre Antwort: Am besten, noch bevor Saatgut überhaupt eingepflanzt wird.
Vom Saatgut zur Pflanze
Gemeinsam gründeten Mitter und Pfaffenbichler das AgriTech-Startup Ensemo GmbH. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Saatgut zu verbessern in dem es mit speziellen Mikroorganismen geimpft wird. Und das funktioniert so: In der eigens entwickelten Maschine wird das Saatgut kurz fixiert und geöffnet, um es mit positiven Bakterien zu versehen und dann wieder verschlossen. Sobald das Saatgut in der Erde liegt, helfen die Mikroorganismen der Pflanze zum Beispiel bei der Aufnahme von Stickstoff. So muss weniger Stickstoffdünger eingesetzt werden und der Anbau wird nachhaltiger.
Förderungen bringen voran
Bei der Ensemo GmbH handelt es sich im Übrigen um ein Spin-off des Austrian Institute of Technologie (AIT). Sie basiert auf über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Erforschung nützlicher Interaktionen zwischen Pflanzen und Mikroben. Bei der Umsetzung der Ideen für die mechanische Impfung von Saatgut erhielt das Unternehmen Unterstützung von der FFG. „Die FFG hat uns sehr geholfen, vor allem mit ihrem Basisprogramm und der technischen Betreuung. Man hat uns wichtige Hinweise gegeben, wie man Dinge besser umsetzen kann und am Ende unseres zweiten Jahres hatten wir dann unseren Prototypen”, erklärt der Co-Founder Nikolaus Pfaffenbichler. Mit dem Prototyp gelang es nicht nur Testkunden zu überzeugen, für die man anschließend große Mengen Saatgut produzieren und die Verbesserung des Saatguts erfolgreich unter Beweis stellen konnte. Ensemo wurde dafür auch mit dem Gründungspreis Phönix 2025 in der Kategorie Prototyp ausgezeichnet. Gründerin Birgit Mitter setzte sich dabei auch in der Kategorie Female Entrepreneurs durch.
Jede Menge Körner und Bohnen
Die größte Herausforderung, für die Maschine zur Saatgutveredelung von ist die hohe Arbeitsgeschwindigkeit: „Wir müssen wirklich sehr schnell sein. Wenn man bedenkt, dass man pro Hektar ungefähr 75.000 Körner Mais oder 600.000 Sojabohnen benötigt, muss schon sehr viel in möglichst kurzer Zeit durch die Maschine durch”, so Pfaffenbichler. Die aktuelle Version der Maschine hält bei 1,2 Tonnen Sojasaatgut – pro Stunde.
Einzigartigkeit am Markt
Trotz des Zeitdrucks, wissen Pfaffenbichler und sein Team stets um die Besonderheit ihres Unternehmens. “Wir sind sowohl als Firma als auch mit unserer Technologie weltweit einzigartig und das macht uns jeden Tag aufs Neue sehr stolz.” Zukunftspläne sind dementsprechend schon geschmiedet – man möchte sich dabei vor allem auf die Diversifikation beim Saatgut und geografischen Märkten konzentrieren, um möglichst bald Süd- und Nordamerika, sowie die weltweit größten landwirtschaftlichen Produktionsländer bedienen kann.