Ort/Bundesland: Niederösterreich
Beruf/Funktion/Unternehmen: Erfinderin und Gründerin / LOCI Design KG
Christina Liess entwickelt als Erfinderin Produkte, die die Welt bunter, schöner und vor allem einfacher machen. Als Gründerin von LOCI Design KG hat sie bereits zwei innovative Ideen erfolgreich patentieren lassen: einen Spielmöbelbausatz für Kinder sowie ein universell einsetzbares, werkzeugloses Verbindungssystem. Dabei möchte sie sich bewusst nicht auf einen bestimmten Forschungsschwerpunkt festlegen. Stattdessen folgt sie ihrer Inspiration und der Freude am Gestalten. So können Innovationen aus ganz unterschiedlichen Forschungs- und Themenfeldern stammen. Im Interview spricht Christina Liess über ihren Weg zur Klarheit in der eigenen Rolle, die Herausforderungen als Frau in der Technik und warum sie ihre Erfindungen nur dann umsetzt, wenn sie echten Mehrwert bringen.
Kurz bevor meine Mission startete, war ich nicht darüber im Klaren, in welche „Nische“ ich mit meiner Arbeit passe. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich einfach nur Dinge erfinden möchte. Das Lösen von kniffligen Aufgaben bereitet mir am meisten Freude. Also kamen wir zu dem Entschluss, dass ich wohl die geborene Erfinderin bin. Meine Mission ist deshalb, mit meinen Erfindungen selbstbewusst nach außen zu treten und Produkte verschiedenster Bereiche unter einen Hut zu bekommen. Auch wenn ich mit der Berufsbezeichnung „Erfinderin“ immer ein wenig schief angeschaut werde, ist es das Einzige, mit dem ich mich wirklich identifizieren kann und das mit meinem Forschungsdrang in Einklang steht.
Was willst du damit bewirken?
Mir ist es ein Herzensanliegen, unsere so komplex gewordene Welt wieder zu vereinfachen. Bei all meinen Innovationen steht die Einfachheit an oberster Stelle, um dadurch unseren Alltag wieder ein klein wenig zu erleichtern.
Wie setzt du das um?
Zuallererst werden meine Ideen ganz altmodisch auf Papier skizziert, dann als virtuelles 3D Modell konstruiert, um anschließend in meiner kleinen Werkstatt als physisches Modell das Licht der Welt zu erblicken. Das Modell wird dann so lange verbessert und optimiert, bis ich damit zufrieden bin. Erst dann habe ich genügend Selbstvertrauen, mich auf die Suche nach Kooperationpartner:innen für die Markteinführung zu machen.
Was ist dein persönlicher Antrieb als Forscherin?
Mein innerer Antrieb ist es, Dinge und Situationen zu verbessern. Nur wenn meine Innovation diesen Mehrwert bringen kann, will ich Energie in die Umsetzung investieren.
Was ist deine Vision?
Dass jeder und jede den Mut hat, seine oder ihre Ideen und Herzensprojekte umzusetzen – egal ob man sich als Frau in der Technik und Wissenschaft verwirklichen möchte oder als Mann in einem „Frauenberuf“. Ich wünsche mir, andere zu inspirieren, indem ich meine Vision vorlebe.
Was hat das INNOVATORINNEN Leadership-Programm bei dir bewirkt?
Ich durfte das erste Mal in meinem Leben einer Gruppe innovativer Frauen begegnen und ein Teil davon sein. Durch das Programm haben sich auch super coole Kooperationen mit Innovatorinnen ergeben. Es macht Spaß, gemeinsam kreativ zu sein und voranzukommen.
Was hast du gelernt oder erfahren, was du vorher noch nicht wusstest?
Als Frau in der Technik hatte ich bislang hauptsächlich mit Männern zu tun. Es ist schön zu sehen, wie sehr es Frauen am Herzen liegt, sich gegenseitig in ihren Missionen zu unterstützen. Das kannte ich bislang nicht mal aus dem Fernsehen. 😊
Welche Learnings bzw. Karrieretipps möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?
Wenn dein Herz für eine Sache schlägt, dann setz dich dafür ein. Egal wie „unmöglich“ oder „seltsam“ es für Andere klingen mag. Du hast die Verantwortung und Entscheidungskraft für dein Leben, nutze sie!
Was waren die 3 Faktoren, die dich bei der Umsetzung von Ideen am meisten vorangebracht haben?
Klarheit, Freude und Durchhaltevermögen.
Wie bist du dorthin gekommen, wo du heute stehst?
Mein eiserner Wille und ausreichend Freude an meiner Arbeit haben mich eine lange Durststrecke ohne jeglichen Erfolg oder Anerkennung durchstehen lassen. Ich würde heute diese Fragen höchstwahrscheinlich nicht beantworten, wenn ich nicht von meinen Ideen felsenfest überzeugt gewesen wäre.
Was muss sich ändern, damit mehr F&I-Ergebnisse von Forscherinnen raus aus der Schublade und in die Gesellschaft kommen?
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich vermutlich mehr Angst als Männer habe, mit meinen Erfindungen „über den Tisch gezogen zu werden“. Oft scheitert es dann daran, sich nicht zu trauen, es öffentlich zu präsentieren bzw. an die passenden Kooperationspartner:innen zu gelangen.
Was sind deine Herausforderungen, deine Forschung in gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Mehrwert zu übertragen?
Die größte Herausforderung liegt darin, nicht nur ein Produkt zu verkaufen, sondern die Käufer:innen über den umwelttechnischen und persönlichen Mehrwert von kreislauffähigen Produkten aufzuklären. Die Kreislaufwirtschaft hat sich noch nicht weit genug etabliert, dass es als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Das ist somit Teil meiner Mission.
Warum ist es wichtig, dass Forscherinnen den gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Nutzen bei ihrer Arbeit mitdenken?
Wir unterschätzen sehr oft, welches Ausmaß selbst kleine Schritte mit sich bringen können. Entscheide ich mich beispielweise dazu, den Spielmöbelbausatz aus Kunststoff zu fertigen anstatt aus Holz, hat das nicht nur Auswirkungen auf die Kinder, sondern auch auf die Umwelt. Jede Entscheidung bringt viele Nebeneffekte mit sich. Ob gut oder schlecht, liegt allein in unseren Händen.
Wo willst du noch hin?
Mir schwirrt schon seit Jahren ein Projekt im Kopf herum, das auf seine Umsetzung wartet. Bis ich die Projektkosten finanzieren kann, wünsche ich mir, meine Erfindungen in so viele Zuhause wie nur möglich zu bringen, um den Alltag bunter, schöner, einfacher und effizienter zu machen.