Ort/Bundesland: Wien
Beruf/Funktion/Unternehmen: Designerin und Universitätslehrgangsleiterin NDU
Julia Schwarz ist Designerin, Universitätslehrgangsleiterin an der New Design University und Forschende im Bereich nachhaltiger Nahrungsstrategien. Mit ihrer Arbeit im Food Design beschäftigt sie sich mit Flechten als unterschätzte Ressource und alternative Nahrungsquelle. Durch Design möchte sie diese übersehenen Akteurinnen der Natur sichtbar machen und ihren Mehrwert für Ernährung und Umwelt in den Fokus rücken.
Im Interview spricht die Alumna über die Rolle von Design an der Schnittstelle zur Wissenschaft, Herausforderungen in der Umsetzung innovativer Ideen und darüber, wie das INNOVATORINNEN Leadership-Programm sie in ihrer Mission gestärkt hat. Und sie gibt Einblicke, warum gerade Flechten so viel Potenzial für die Zukunft haben.
Mit welchem Projekt (“Mission”) hast du beim INNOVATORINNEN Leadership-Programm teilgenommen und was ist das Neue und Innovative daran?
Mir ist es ein großes Anliegen, alternative Nahrungsmöglichkeiten aufzuzeigen, abseits von hochverarbeiteten Produkten. Dabei steht eine ganz besondere Ressource im Mittelpunkt meiner Arbeit: die Flechte. Sie ist unscheinbar, oft übersehen, und doch steckt in ihr enormes Potenzial. Als Bioindikator reagiert sie sensibel auf Luftqualität und wächst nur unter bestimmten ökologischen Bedingungen. Gleichzeitig ist sie extrem widerstandsfähig: Flechten können selbst in den unwirtlichsten Klimazonen überleben, sogar in der Antarktis. Mit einem globalen Biomasseanteil von rund 7 % sind sie weit verbreitet – und könnten in Zukunft eine Rolle als alternative Nahrungsquelle spielen.
Wie setzt du deine Arbeit daran um?
Neben Ausstellungsformaten haben wir begonnen, Getränke mit Flechten zu erzeugen. Unsere Tees fokussieren auf die gesundheitlichen Vorteile von Flechten, während unsere Sprizz-Getränke, als Lifestyle-Produkte konzipiert, einen sehr niederschwelligen Zugang bieten. Mit ihrem einzigartigen Geschmacksprofil rücken sie die Flechte in ein neues Licht. Und das ist erst der Anfang. Wir sind überzeugt, dass in dieser Ressource noch viel ungenutztes Potenzial steckt.
Was ist dein persönlicher Antrieb als Forscherin?
Ich komme aus dem Designbereich und bewege mich an der Schnittstelle zur Forschung – im Feld der Design Investigations. Dabei nutze ich Design als Werkzeug, um Prozesse zu gestalten und komplexe Themen greifbar zu machen. Mein Antrieb ist vor allem Neugier – besonders an einer gestalterisch-wissenschaftlichen Schnittstelle, die neue Räume eröffnet und dazu einlädt, Zukunft innovativ und spekulativ zu denken. Mich fasziniert, was möglich ist oder wäre und wie wir mit Design neue Perspektiven aufzeigen können.
Wofür stehst du als Forscherin?
Als Designerin an der Schnittstelle zur Forschung setze ich mich für interdisziplinares Arbeiten ein, um Nischen zu finden und diese auszuarbeiten. In meinem Fall sind das Flechten und Naturstein.
Was hat das INNOVATORINNEN Leadership-Programm bei dir bewirkt? Was konntest du dir mitnehmen?
Die Gruppe ist großartig – diese Frauen kennen lernen zu dürfen und mit ihnen zu arbeiten war einzigartig. Das Programm hat den Rahmen gegeben, mich intensiv mit meiner Mission auseinander zu setzen, Dinge zu hinterfragen und mir dafür bewusst Zeit zu nehmen. Auch meine eigene Positionierung konnte ich dadurch schärfen und kann mich nun bewusster auf die essentiellen Punkte konzentrieren.
Was hast du gelernt oder erfahren, das du vorher noch nicht wusstest?
Durch die Impulse und die Gruppe habe ich sehr viel dazugelernt und bin über mich hinausgewachsen. Eine lustige Sache ist besonders erwähnenswert: Ich als Linkshänderin und Designerin habe gelernt, dass es durchaus eigene Techniken gibt, links zu zeichnen, die mein Leben deutlich erleichtern. ;)
Welche Karrieretipps möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?
Nutzt den Austausch und das Netzwerk, um euch gegenseitig zu stärken.
Was waren die 3 Faktoren, die dich bei der Umsetzung von Ideen am meisten vorangebracht haben?
Ideen umzusetzen ist im Prinzip mein Tun. Die Zeit für vage Fragestellungen zu haben, diese auch stellen zu dürfen und damit zu arbeiten hat mich durchaus weitergebracht, denn dafür ist oft nicht genug Zeit. Das hat die Umsetzung meiner Ideen wirklich vorangebracht. Die Zeit zu haben, Ideen von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und auch die spekulativsten Varianten durch Anknüpfung an unterschiedliche Forschungsfelder realer werden zu lassen. Einen Ort zu haben, um sich gemeinsam auszutauschen und eine Idee ausschließlich mit Fragestellungen statt mit Ratschlägen weiter zu entwickeln.
Wie bist du dorthin gekommen, wo du heute stehst?
Ich würde sagen, durch ein bisschen Zuversicht und Neugier, Mut und Ausdauer.
Was waren oder sind deine Herausforderungen, deine Forschung in gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Mehrwert zu übertragen?
Regulierungen und bürokratische Hürden. Optimismus und Ausdauer haben mir hier jedenfalls geholfen. Außerdem einfach mit Menschen direkt zu sprechen – das erleichtert die Kommunikation und Lösungen finden sich dann oft schneller als gedacht.
Was muss sich ändern, damit mehr F&I-Ergebnisse von Forscherinnen raus aus der Schublade und in die Gesellschaft kommen?
Interdisziplinär zu arbeiten ist sicher ein guter Ansatz. Bürokratische Hürden abbauen und Förderungen gezielt dafür ansetzen. Das neue INNOVATORINNEN-Format „Verwertungs-Werkstatt“ kann dafür ein toller Ansatz sein.
Warum ist es wichtig, dass Forscherinnen den gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Nutzen bei ihrer Arbeit mitdenken?
Weil greifbare Ergebnisse Nähe schaffen – sie machen es Menschen leichter, sich etwas vorzustellen, verringern Skepsis und fördern die Akzeptanz von Innovation.
Wo willst du noch hin?
Meiner Mission nachzugehen wird mich sicher noch an spannende Orte führen. :)