Ort/Bundesland: Wien
Beruf/Funktion/Unternehmen: Gründerin und Geschäftsführerin / Vienna Textile Lab
Karin Fleck ist Expertin im Bereich industrielle Biotechnologie und widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Produktion mikrobieller Pigmente für die umweltfreundliche Färbung von Textilien. Die Textilindustrie gehört zu den größten Umweltverschmutzern weltweit – sie verursacht 10 % der globalen CO₂-Emissionen und belastet unsere Wasserressourcen massiv. Ein zentraler Faktor ist der Einsatz synthetischer Farbstoffe. Karin Fleck setzt genau hier an: Mit ihrem interdisziplinären Team aus Mikrobiologinnen, Bioingenieurinnen, Chemikerinnen und Produktentwicklerinnen arbeitet sie an nachhaltigen Alternativen, die die Branche verändern können. Ihr Ziel: Die Textilindustrie nachhaltiger zu gestalten und mikrobiell gewonnene Farbpigmente als umweltfreundliche Standardlösung zu etablieren.
Mit welchem Projekt (“Mission”) hast du am INNOVATORINNEN-Programm teilgenommen und was ist das Neue/Innovative daran?
Biobasierte Materialien haben es noch immer schwer, die Aufmerksamkeit von Investor:innen zu gewinnen. Das liegt vor allem daran, dass sie mit kostengünstigen, etablierten Chemikalien konkurrieren. Deshalb braucht es neue Geschäftsmodelle, die den Übergang für die Industrie erleichtern. Genau hier setze ich an: Mein Ansatz kombiniert innovative Biotechnologie mit einer wirtschaftlich tragfähigen Strategie, um biobasierte Materialien langfristig wettbewerbsfähig zu machen. Aktuell gibt es kaum effektive Lösungen in diesem Bereich – und genau das möchte ich ändern.
Was ist deine Vision?
Meine Vision ist es, dass bis 2030 ein großer Anteil unserer Kleidung und Textilien nachhaltig mit biobasierten Farbstoffen und Pigmenten gefärbt wird. Ich möchte dazu beitragen, die Textilindustrie umweltfreundlicher zu gestalten und innovative, ressourcenschonende Lösungen voranzutreiben.
Was ist dein persönlicher Antrieb?
Wenn jemand sagt: „Das wird nicht gehen“, sehe ich darin eine Herausforderung, es dennoch zu versuchen.
Welche drei Faktoren sind für die Umsetzung deiner Idee am wichtigsten?
Andere, die an mein Vorhaben glauben, finanzielle Rahmenbedingungen und Infrastruktur für die Ausführung.
Was sind die Herausforderungen, deine Forschung in gesellschaftlichen Mehrwert zu übertragen? Wie bist du damit umgegangen?
Die größte Herausforderung ist und war die fehlende Infrastruktur für die Forschung, die wir betreiben. Geeignete Laborflächen sind schwer zu finden. Wir sind in der Intersektion zwischen Biotech, Chemie und Textilchemie. Es ist scher für ein kleines Unternehmen das selbst zu „bauen“, wir sind hier stark auf andere angewiesen, wie Organisationen, private Unternehmen, und natürlich die Universitäten. Mittlerweile habe ich ein großes Netzwerk. Trotzdem ist es nicht leicht und viel Energie, die eigentlich in die Forschung gehen sollte, geht in die Standortsuche.
Welche Learnings zur Verbreitung oder Nutzung deiner Forschung und Innovation möchtest du anderen Frauen mitgeben?
Never walk alone! Such dir eine Partnerin-in-crime, die mit dir gemeinsam diesen Weg geht. Programme wie das FFG INNOVATORINNEN Lab sind wichtige Unterstützungstools, die uns erlauben, aus dem stressigen Alltag eine neue Perspektive zu ziehen und vielleicht eine Partnerin zu finden. Und vergiss dein eigenes Marketing nicht!
Wofür setzt du dich ein?
Als INNOVATORIN gilt mein Engagement nicht nur meiner eigenen Forschung, sondern auch der Unterstützung anderer Unternehmen in diesem Bereich. Mir liegt die Förderung junger Forscherinnen und Frauen besonders am Herzen – ich begleite sie dabei, in dieser Branche Fuß zu fassen.
Was hat das Programm bei dir bewirkt? Was konntest du dir mitnehmen?
Erstens, wieviel engagierte Frauen es in Österreich gibt, die sich eine Veränderung in ihren Bereichen wünschen und alles daransetzen, dass diese auch passieren. Für mich ist klar geworden, dass unser Geschäftsmodell gut ist, es muss nur konsequent umgesetzt werden. Ich möchte noch besser auf unsere Kund:innen eingehen und auch mehr in Marketing und Storytelling investieren. Das passiert auch gerade.
Was muss sich ändern, damit mehr F&I-Ergebnisse von Forscherinnen raus aus der Schublade und in die Gesellschaft kommen?
Ich finde es erschreckend, wenn mir im Start-up-Bereich immer noch Gründer erzählen, sie würden keine Frauen als Co-Founder finden. Das deutet darauf hin, dass das Problem nach wie vor strukturell und oft in den bestehenden Netzwerken der Männer verankert ist. Wir brauchen gezielte Maßnahmen: klare Vorgaben zur Geschlechterverteilung in Unternehmen und in der Gründerberatung und im Pre-Seed-Bereich muss stärker sensibilisiert werden – männliche Gründer sollten aktiv darauf hingewiesen werden. Initiativen wie das FFG INNOVATORINNEN Lab sind essenziell, da sie Frauen Vernetzung, Unterstützung und Stärke geben. Solche Programme helfen, Forschung aus der „Schublade“ in die Gesellschaft zu bringen.
Warum ist es wichtig, dass Forscherinnen den gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Nutzen bei ihrer Arbeit mitdenken?
Unserer Gesellschaft ist immer noch sehr rückschrittlich, wenn es um die Anerkennung der Leistungen von Frauen für die Gesellschaft geht. Das bedeutet aber wiederum, dass sich jede Frau dessen bewusst sein und leider zur Kämpferin werden muss. Daher ist es wichtig, dass Frauen nicht nur ihre Arbeit machen, sondern diesen Mehrwert auch kommunizieren.
Wo willst du noch hin?
Ich bin dort angekommen, wo ich sein möchte. Ein Ziel habe ich: Ich würde gerne als Advisor und Steering Board Member für andere Unternehmen im Bereich Nachhaltige Chemie und Industrielle Biotechnologie arbeiten.