HOW SHE DID IT: Louise Beltzung

In unserer Reihe “HOW SHE DID IT” holen wir Expertinnen aus der angewandten Forschung und Innovation vor den Vorhang. Die vorgestellten Frauen sind Alumnae des INNOVATORINNEN Leadership-Programms.

Ort/Bundesland: Wien

Beruf/Funktion/Unternehmen: Konsument:innenschutz & Digitalisierung, AK Wien

 

Die Alumna des INNOVATORINNEN Leadership-Programms 2020 und des INNOVATORINNEN Labs 2024 beschäftigt sich seit Jahren mit Künstlicher Intelligenz, Algorithmen und deren Schnittstellen zu Konsument:innen. Ihre bisherigen Projekte umfassten Themen wie automatisierte Preisgestaltung und Diskriminierung, Internetbetrug (z.B. Love Scams, Fake Shops, Anlagebetrug), problematische Praktiken im E-Commerce wie Dark Patterns sowie der Analyse der sozialen Auswirkungen technologischer Innovationen wie Deepfakes. Als Expertin für Digitalisierung und Konsument:innenschutz bei der Arbeiterkammer Wien setzt sie sich für Transparenz, Fairness und die Verankerung technologischer Entwicklungen im gesellschaftlichen Nutzen ein – mit dem Ziel, sichere und faire digitale Räume zu schaffen.

Mit welchem Projekt (“Mission”) hast du beim INNOVATORINNEN Leadership-Programm teilgenommen? 

Mein Interesse gilt innovativen, technikbasierten Lösungen, die dem Ungleichgewicht von Verbraucher:innen gegenüber den großen Akteur*innen im Digitalbereich entgegenwirken – wie kann KI eingesetzt werden, um Konsument*innen vor Betrug zu schützen? Wie können komplexe Inhalte in wenigen Sekunden per Video vermittelt werden? 

Wieso ist deine Mission gesellschaftlich relevant? 

Die Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche - wie wir kommunizieren, einkaufen, arbeiten; kaum etwas wird nicht auch digital vermittelt. Damit gehen zahlreiche Probleme einher - von Fake News und Internetbetrug bis hin zu Manipulationen auf Basis von ausufernden Datenanalysen, denen mit Forschung begegnet werden muss.

Wie setzt du das um?

Neue Ideen entstehen vor allem dann, wenn sie mit anderen diskutiert werden. Wir brauchen Allianzen, um sie umzusetzen. Für mich ist die enge Zusammenarbeit mit anderen essenziell – besonders über Fachgrenzen hinweg. Die Phänomene der Digitalisierung lassen sich nur verstehen und bewältigen, wenn z.B. Technolog:innen mit Sozial- und Geisteswissenschafter:innen zusammenarbeiten und gleichzeitig die Perspektiven der Zivilgesellschaft einbezogen werden.

Was ist dein persönlicher Antrieb als Forscherin?

Gesellschaftliche und technologische Entwicklungen faszinieren mich gleichermaßen. Die digitale Welt verändert sich ständig, so dass wir uns kaum vorstellen können, wo wir in fünf Jahren sein werden - und deshalb treibt es mich an, hier möglichst zu verstehen, wie sich die Verhältnisse für Konsument:innen ändern. Ich möchte zu einer Welt beitragen, in der technologische Innovationen verantwortungsbewusst gestaltet werden; in der Probleme für Verbraucher*innen frühzeitig erkannt und durch Zusammenarbeit nachhaltige Lösungen entwickelt werden.

Drei Faktoren, die für die Umsetzung deiner Idee am wichtigsten sind?

Klare Zielgruppenorientierung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Fähigkeit, komplexe Themen auf den Punkt zu bringen.

Was sind Herausforderungen, deine Forschung in gesellschaftlichen Mehrwert zu übertragen?

Die größte Herausforderung ist oft die zeitliche und finanzielle Limitierung. Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen und Netzwerke strategisch zu nutzen.

Was muss sich ändern, damit mehr F&I-Ergebnisse von Forscherinnen raus aus der Schublade und in die Gesellschaft kommen?

Forschung kann nur dann nachhaltig wirken, wenn sie Teil der gesellschaftlichen Realität wird. Forscherinnen haben die Chance, Perspektiven einzubringen, die oft zu kurz kommen. Wir brauchen bessere Ressourcen und gezielte Förderungen, die Forscherinnen Zeit und Raum für Dissemination und Kollaboration bieten.

Was würdest du deinem jüngeren Forscherinnen-Ich für deine Mission mitgeben? 

Trau dich mehr, probiere aus und verwerfe durchaus auch mit Lachen, was nicht klappt. Hab Geduld, setze auf Austausch und sei offen für Kritik – das stärkt deine Mission. 

Welche Learnings zur Verbreitung oder Nutzung deiner Forschung und Innovation möchtest du anderen Frauen mitgeben? 

Kooperiert mit anderen und sprecht mit der Zielgruppe, wagt innovative Ansätze abseits traditioneller Wege und habt den Mut, neue Formen der Dissemination auszuprobieren, die wirklich Resonanz erzeugen. 

Was hat das Programm bei dir bewirkt? Was konntest du dir mitnehmen? 

Die INNOVATORINNEN haben mir sehr viel Kraft gegeben. Ich habe meine Kommunikationsstrategien geschärft und vor allem durch den Austausch mit den anderen sehr viel gelernt. Ohne dieses Programm hätte ich nie so viel Zeit in die Entwicklung meiner Forschungsideen investieren. Über die Jahre hinweg konnte ich dank der Innovatorinnen viele Ideen in erfolgreiche Forschungsprojekte umsetzen. 

Wo willst du noch hin? 

Ich möchte die fortschreitenden Entwicklungen im Bereich Digitalisierung weiterhin kritisch begleiten und an Lösungen arbeiten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern – immer mit Blick auf eine gerechte und transparente Zukunft.

Über die FFG

Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ist die nationale Förderinstitution für die unternehmensnahe Forschung und Entwicklung in Österreich. Förderungen der FFG tragen maßgeblich dazu bei, neues Wissen zu generieren, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und damit am Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu sein.
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