Erfolgsfaktor Neugier

Ein Überblick der Jubiläumsveranstaltung "30 Jahre ESA-Österreich - Eine Erfolgsgeschichte"

Erfolgsfaktor Neugier

Weltraumminister Jörg Leichtfried unterstrich in seiner Festrede neben den wissenschaftlichen Erfolgen Österreichs vor allem die positiven Auswirkungen der ESA-Mitgliedschaft auf Österreichs Raumfahrtindustrie, in der bei einem Jahresumsatz von 125 Mio. Euro rund 1.000 Menschen beschäftigt sind. In den nächsten 30 Jahren wieder einen österreichischen Astronauten – „oder eine Astronautin“ – in den Weltraum zu bringen, würde den Forschungsleistungen ein Gesicht und der Weltraumindustrie „einen weiteren Schub nach vorne geben“, sagte Leichtfried. „Austronaut“ Franz Viehböck war einer der prominenten Gäste bei der Feier anlässlich „30 Jahre ESA – Österreich“, die am 9. Oktober 2017 Vertreterinnen und Vertreter der europäischen Weltraumforschung und -industrie in der Grazer Helmut-List-Halle versammelte.

Im Festakt blickte ESA-Generaldirektor Johann Dietrich Wörner nicht nur in die Vergangenheit, sondern er bot in seinem Vortrag vor allem Ausblicke in die Zukunft der Europäischen Weltraumagentur. Neben kommenden Missionen wie der Sonde BepiColombo, die 2018 zum Merkur aufbricht, und der Entwicklung einer neuen Ariane-Trägerrakete, sind es Themen wie die Kommerzialisierung von Weltraumaktivitäten, aber auch der Umgang mit Weltraumschrott, die die ESA beschäftigen. Der Faktor Neugier sei seit jeher der wesentliche Innovationstreiber bei Weltraumprojekten, sagte Wörner. In seinem Impulsreferat skizzierte Marco R. Fuchs, der Vorstandsvorsitzende der deutschen OHB System AG, den wirtschaftlichen Wandel der europäischen Raumfahrtindustrie in den letzten 30 Jahren. Die OHB System hatte unter anderem 14 Satelliten für das europäischen Navigationssystem Galilieo gebaut.

Unter den Gratulanten fand sich mit einer Videobotschaft auch Ex-Bundespräsident Heinz Fischer ein, der in seiner damaligen Funktion als Wissenschaftsminister 1987 das Abkommen mit der ESA unterzeichnet hatte.

In Round-Table-Gesprächen kamen unter anderem Vertreter von Forschung, Industrie und Anwendern von Weltraumtechnologie zu Wort. Unter der Moderation von Sektionsleiter Ingolf Schädler vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie war die Nutzung von ESA-Satellitendaten Thema. Von ihren Erfahrungen berichteten Josef Aschbacher, ESA-Direktor für Erdbeobachtung, Kurt Weinberger von der österreichischen Hagelversicherung, Andreas Papp von SOS Kinderdorf, Thomas Hoffmann von der Austro Control und Michael Staudinger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

FFG-Bereichsleiter Andreas Geisler bat unter dem Thema „Space4Industrie“ hochkarätige Industrie- und Forschungsvertreter um Wortspenden, nämlich Marco R. Fuchs, OHB System AG, Direktor Max Kowatsch von der RUAG Space, Christian Hoffmann, Gründer von Geoville, Heinz Mayer von Joanneum Research und Wolfgang Baumjohann, Leiter des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Letzterer führte Österreichs beachtliche Erfolge in der Weltraumforschung auf zwei Strategien zurück: einerseits die Konzentration auf ausgewählte Themen (Messtechnologie, Satellitenbau, Datenauswertung) und andererseits die internationale Vernetzung, die nicht zuletzt dank der ESA-Mitgliedschaft für österreichischen Institutionen gegeben ist.