Mobilitätswende: Tamara Pinterich ist FEMtech-Expertin des Monats

Die promovierte Wienerin arbeitet seit 2018 bei der Robert Bosch AG als Software-Entwicklerin für Hybrid- und Elektrofahrzeugfunktionen an innovativen und nachhaltigen Mobilitätslösungen.

Die Umweltphysikerin Tamara Pinterich ist unsere FEMtech-Expertin des Monats Oktober. Im Zentrum ihrer Arbeit: Entwicklung von SW-Funktionen für Thermalsysteme in bestehende und zukünftige Automobil-Steuergeräte von Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeugen, um deren Effizienz und Klimafreundlichkeit zu optimieren.

Tamara Pinterich, FEMtech-Expertin des Monats Oktober 2019
Foto: Robert Bosch AG

Nach dem Studium der Physik und ihrer auf Aerosol- und Umweltphysik ausgerichteten Dissertation an der Universität Wien folgte für Tamara Pinterich ein Forschungsaufenthalt als Postdoctoral Research Associate am Department Umwelt- und Klimawissenschaften im Brookhaven National Laboratory (BNL), einem US-amerikanischen Forschungszentrum auf Long Island im US-Bundesstaat New York.


Von der Klima- zur Mobilitätsforschung

Nach zweieinhalb Jahren in der Klimaforschung am BNL wechselte Tamara Pinterich im Frühjahr 2018 zur Robert Bosch AG nach Wien, wo sie ihr Fachwissen seitdem im Bereich Mobilität anwenden kann. Dass Bosch neben Haushaltsgeräten und Elektrowerkzeugen auch Technologien im Mobilitätsbereich anbietet, mag nicht jedem bekannt sein. Bosch ist jedoch der führende Zulieferer der Automobilindustrie. Im Zentrum der Forschung in der Sparte "Mobility Solutions": Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung, wodurch eine sichere und emissionsfreie Zukunft der Mobilität erreicht werden soll.

Ein Glücksfall für Pinterich, die vom Ausmaß der Aktivitäten des Unternehmens im Automobilsektor zunächst überrascht war. „Ich wollte in jedem Fall etwas machen, was im Leben der Menschen tatsächlich Verwendung findet: Techniken entwickeln, die klimaschonend sind.“ In ihrer Arbeit bei Bosch beschäftigt sie sich nun mit modellbasierten Diagnosefunktionen und Regelstrategien für Thermalsysteme von Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellen-Fahrzeugen.

Softwarelösungen für ressourcenschonendes Fahren

„Der Vormarsch alternativer Antriebssysteme in der Automobilindustrie – Stichwort E-Mobility, Hybridtechnologien oder Brennstoffzellen – führt unter anderem auch zu immer komplexeren Thermalsystemen im Fahrzeug.“ Diese seien nach Auskunft Pinterichs notwendig, um optimales ressourcenschonendes Fahren bei gleichbleibend hohem Fahrkomfort zu ermöglichen. Gleichzeitig würden aber immer weniger Sensoren zur Überwachung oder zur Ansteuerung der Komponenten eines Thermalsystems eingebaut, was dazu führt, dass sich der Fokus von Hardware- auf Softwarelösungen verlagert.

„Unser Ziel ist es, eine vollständige Überwachung, eine optimale Regelung aller relevanten Komponenten zu ermöglichen - bei minimalen Einsatz von Sensorik“, so Pinterich. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es notwendig, neue Diagnose- und Regelstrategien zu entwickeln, die in Echtzeit auf dem Fahrzeug-Steuergerät laufen. Im Rahmen von Vorstudien konnte bereits gezeigt werden, dass dieser Ansatz bei Komponentendiagnosen nicht nur funktioniert, sondern bisherige Diagnosesoftware in Punkto Genauigkeit sogar übertrifft. Das führt neben der Ressourcenschonung durch wegfallende Sensorik auch zu erhöhter Sicherheit im Fahrbetrieb.

Heiz- und Kühlstrategien sind ebenfalls Gegenstand ihrer Forschungsarbeit. In der Praxis sinkt im Sommer wie im Winter die Reichweite von Elektrofahrzeugen, weil Strom aus der Batterie auch zum Heizen oder Kühlen verwendet wird. „Um die elektrische Reichweite zu erhöhen, ist das ideale Zusammenspiel der Kühlkreisläufe in einem Elektrofahrzeug entscheidend. Wir koordinieren zig verschiedene Kombinationsmöglichkeiten des Niedertemperatur-Kreislaufs der Batterie mit dem Mitteltemperatur-Kreislauf des Antriebs“, so Pinterich, die der Hybrid- und Elektrofahrzeugindustrie auch künftig eine große Bedeutung zuschreibt. Zusätzlich würden verschiedenste Systemfehler bei der Koordination der Kühlkreisläufe berücksichtigt und durch Testen der Software auf unterschiedlichen Ebenen abgesichert.

Österreich hat sich innerhalb der Bosch-Gruppe als wichtiger Entwicklungsstandort etabliert. In Wien, Linz und Hallein betreibt Bosch internationale Kompetenzzentren für Mobilitätstechnik, wo neben Lösungen im Bereich Connected Mobility auch wichtige Steuerkomponenten von Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeugen erforscht und entwickelt werden. Mehr als 3.000 Mitarbeiter beschäftigt Bosch in Österreich bereits in der Entwicklung. Im Bereich Mobilität ist Bosch schon lange eine Innovation Leader, bedeutende Entwicklungen, wie das elektronische Motormanagement oder der Schleuderschutz ESP, gehen auf das Konto des Unternehmens.

FEMtech ist eine Initiative des Förderprogramms Talente des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Um die Leistungen von Frauen im Forschungs- und Technologiebereich sichtbar zu machen, zeichnet das BMVIT seit 2005 Frauen aus der FEMtech-Expertinnendatenbank aus. Das BMVIT unterstützt Frauen im Bereich Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, Chancengleichheit in der industriellen und außeruniversitären Forschung zu schaffen. FEMtech setzt Aktivitäten zur Bewusstseinsbildung, zur Sensibilisierung, zur Sichtbarmachung sowie zur Förderung der Karrieren von Frauen in Forschung und Technologie.


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