Österreichs Unternehmertum dynamisch ins europäische Spitzenfeld

Der jährliche Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Austria liegt vor.

Im Rahmen des Global Entrepreneurship Monitors wurden die neuesten Daten zur Lage des Unternehmertums in Österreich präsentiert. Die Studie wird seit 2005 in Österreich durchgeführt und analysiert die heimische Unternehmenslandschaft und deren wesentliche Rahmenbedingungen. "Durch seine regelmäßige Durchführung ist der GEM bereits zu einer Konstante für Politik, Wissenschaft und Wirtschaft geworden – als internationales und regionales Benchmarking-Instrument, Frühwarnsystem und Stimmungsbarometer", so Christian Friedl, Leiter des GEM Österreich-Teams vom Institut für Internationales Management der FH JOANNEUM.
 

 

 

Österreichs Gründungslandschaft immer dynamischer
Der Bericht zeigt eine erfreuliche und dynamische Entwicklung: Mit 10,9 Prozent befindet sich der Anteil von Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern an der erwerbstätigen Bevölkerung auf einem neuen Höchststand. Im europäischen Vergleich nimmt Österreich damit bereits Rang 3 ein. "Die im Global Entrepreneurship Monitor identifizierte hohe Rate an Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern zeigt die positive Entwicklung Österreichs als Gründerland, auch im internationalen Vergleich", so Elisabeth Udolf-Strobl, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. Die gesamte unternehmerische Aktivität ist hingegen leicht rückläufig – es wurden weniger etablierte Unternehmerinnen und Unternehmer und mehr Unternehmensausstiege identifiziert. Die Beschäftigungssituation und -erwartungen stellen sich verbessert dar: 13 Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer haben hohe Wachstumserwartungen.

 

Gründende jünger, zuversichtlicher und internationaler
Österreichs Jungunternehmerinnen und -unternehmer werden immer jünger – im Schnitt sind diese 37 Jahre alt. Sie agieren zudem zunehmend international: Bereits 43 Prozent haben mehr als 25 Prozent ihrer Kundinnen und Kunden im Ausland. 75 Prozent aller Jungunternehmerinnen und -unternehmer gründen aufgrund des Möglichkeitsmotivs. Die Hälfte der Befragten sieht gute Gründungsmöglichkeiten. Auch das öffentliche Bild vom Unternehmertum in Österreich ändert sich zum Positiven.

"Unternehmertum bekommt in Österreich einen immer höheren Stellenwert bei der Berufswahl, denn Gründen ist ein optimales Karrieresprungbrett. Wer einen starken Standort will, muss für Gründer und Jungunternehmer bestmögliche Bedingungen schaffen, um Kreativität und Innovation für hochqualitative österreichische Produkte und Dienstleistungen zu ermöglichen. Deshalb ist jede Unterstützung für sie eine Investition in unser aller Zukunft", so Karlheinz Kopf, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich.

 

Regionale Unterschiede
Wien ist das Bundesland mit der höchsten Rate an Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern. "Es werden pro Jahr über 8.000 Unternehmen in Wien gegründet, der GEM zeigt jedoch, dass das Potenzial längst nicht ausgeschöpft ist", führt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, aus.

Mit einem Anteil von jeweils 8 Prozent an etablierten Unternehmerinnen und Unternehmern bilden das Burgenland und Tirol das Spitzenfeld. Die gesamte unternehmerische Aktivität hingegen ist in Kärnten mit 19,8 Prozent am höchsten, gefolgt von Wien mit 19,5 Prozent.

Die Salzburgerinnen und Salzburger sind die Zuversichtlichsten und haben am wenigsten Angst vor unternehmerischem Scheitern (40 Prozent). Gründen genießt besonders in Vorarlberg einen hohen Status (für 82 Prozent), und vor allem in der Steiermark wird Gründen als eine erstrebenswerte Karrierewahl angesehen (für 55 Prozent). In Kärnten wird am häufigsten aus dem Möglichkeitsmotiv gegründet (82 Prozent). Hier werden auch die höchsten Gründungskompetenzen wahrgenommenen (56 Prozent).

 

Forschung, Technologie und Innovation als Treiber
Bereits über 20 Prozent der österreichischen Jungunternehmen sind technologieführend und mehr als ein Viertel können als innovative Nischenplayer bezeichnet werden. Diese Unternehmen weisen deutlich höhere Wachstumserwartungen und Internationalisierungsgrade auf. Rund 37 Prozent sehen sich zusätzlich nur geringer Konkurrenz ausgesetzt. "Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass gerade forschende und innovative Unternehmen vermehrt den globalen Wettstreit suchen und dort reüssieren", sagt Andreas Reichhardt, Minister für Verkehr, Innovation und Technologie.

Auch ein deutlicher Anstieg an forschungsbasierten und -intensiven Unternehmen und Spin-Offs ist zu beobachten. Der Schutz geistigen Eigentums wird dabei immer wichtiger, der F&E-Transfer gehört gestärkt. "Die Stärke der heimischen Unternehmen basiert auch auf der gut funktionierenden Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung, die von der FFG gezielt unterstützt wird. Mit Erfolg, wie die Beurteilung durch die befragten Expertinnen und Experten im GEM zeigt. Für uns weiterer Ansporn im engagierten Einsatz für den österreichischen Innovationsstandort", so Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, Geschäftsführung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG).

 

Rahmenbedingungen verbessert
Bei der Gesamtbewertung des unternehmerischen Umfelds durch die Expertinnen und Experten befindet sich Österreich im europäischen Vergleich an fünfter Stelle. Das österreichische Förderregime zur Unterstützung junger Unternehmen und die physische, Wirtschafts- und Dienstleistungsinfrastruktur werden zudem sehr positiv wahrgenommen, hier ist man europäischer Spitzenreiter. "Als Förderbank des Bundes ist die aws stolz, dazu einen wesentlichen Beitrag zu leisten und so den stetig wachsenden Anteil junger innovativer Unternehmen in Österreich weiter zu heben. Denn diese Unternehmen bringen wichtige Impulse für den Wirtschaftsstandort. Als aws unterstützen wir bei der Finanzierung in allen wichtigen Unternehmensphasen", sagt Bernhard Sagmeister, aws-Geschäftsführer.

 

Handlungsbedarf bei weiblichen Gründerinnen, unternehmerischer Bildung, Wachstumsfinanzierung und soziokulturellen Normen
Aufbauend auf den Ergebnissen leitet die Studie Empfehlungen in fünf zentralen Handlungsfeldern ab. Besonders beim Frauenanteil (mit 36 Prozent leicht rückläufig), der unternehmerischen Bildung in Österreichs Schulen (weiterhin schlecht bewertet) und der Wachstumsfinanzierung für Gründende besteht Handlungsbedarf. Auch die Angst vorm Scheitern bleibt in Österreich auf einem hohen Niveau: 45 Prozent der Befragten gaben an, Angst vor unternehmerischem Scheitern zu haben. Die soziokulturellen Normen werden zudem noch immer als wenig gründungsfördernd eingeschätzt.

"Der GEM hilft uns, ein kritisches Auge auf die Innovationskraft Österreichs zu werfen und entsprechende Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Die diesjährigen Auswertungen unterstreichen einmal mehr, dass bekannte Problemfelder wie die unternehmerische Bildung in Schulen weiterhin existieren", erläutert Hannes Androsch, Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung.

Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist die größte internationale Vergleichsstudie zum Unternehmertum. Seit 2005 führt die FH JOANNEUM mit ihrem Institut für Internationales Management den GEM in Österreich durch. Die Erhebung basiert auf einer repräsentativen Umfrage von 4.580 Personen aus der österreichischen Bevölkerung im Alter von 18-64 Jahren und einer Befragung von 38 Expertinnen und Experten.

 


Kontakt: christian.friedl@fh-joanneum.at


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