BAUHAUS21

Wie wird Deine Idee bezeichnet?

BAUHAUS21
für Dörfer mit Zukunft für Mensch und Umwelt

Kurze Beschreibung der Idee

Die folgenden Bausteine beschreiben das Projekt "Bauhaus 21", das sich als Teil der Initiative "Neues Europäisches Bauhaus*" versteht.

Mit generationenübergreifendem Community-Building wollen wir in einem ersten Schritt Partnerschaften für die kollaborative Entwicklung einer gemeinsamen Vision von und für den ländlichen Raum schaffen. Im Rahmen von verteilten räumlich verankerten Knotenpunkten sollen immer mehr Menschen, vor allem benachteiligte Gruppen, dafür begeistert werden, an der ökologischen, energieeffizienten, emissionsneutralen, seelisch bereichernden Entwicklung ihrer Umgebung mitzuwirken.

Hierfür brauchen wir OpenEcoLabs**, jene physischen Räume, in denen die vielfältigen Aktivitäten und Treffen stattfinden können. 

In einem weiteren Schritt sollen diese einzelnen Orte miteinander verknüpft werden, um langfristig flächendeckende Wirkung erzielen zu können. Die Vernetzung soll sowohl auf virtueller (Wissensaustausch) wie auch auf materieller Ebene (Ressourcenkreisläufe / Schnittstellen) geschehen. Good-Governance und die zunehmende Professionalisierung einzelner Projekte sind Teil davon. Einigen Leuchtturmprojekten*** ist dies schon gelungen.

Diese Vernetzung soll schließlich zu neuartigen wirtschaftlichen Dynamiken und Wertschöpfungsketten führen, insbesondere für MigrantInnen, Frauen und der ländlichen Gemeinschaft. Ausgehend von den einzelnen Projekten soll dabei ein lebendiges Ökosystem mit neuen Open Source Hardware-Geschäftsmodellen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft entstehen. Darauf aufbauend können neue nachhaltige Wirtschaftsweisen und Zahlungs- und Tauschmittel gebildet werden. Sukzessive entstehen nach und nach so genannte FabVillages****.

Letztlich sollen damit die übergeordneten Klima- und Umweltziele erfolgreich erreicht werden und die Dörfer kreative Wege gehen können, sich für dieses Jahrhundert neu zu erfinden.

Erläuterungen
* Neues Europäisches Bauhaus (NEB)
Im Rahmen der Initiative Neues Europäisches Bauhaus sollen heuer an 5 Orten konkrete Projekte gestartet werden. Wir wollen dafür ein Konzept für ein verteiltes „Bauhaus21“ für den ländlichen Raum entwickeln und einreichen. Um dies tun zu können, braucht es vorbereitende Schritte auf nationaler Ebene.

** OpenEcoLab  
OpenEcoLabs sind aus FabLabs entstanden und entwickeln sich seit einiger Zeit zu Knotenpunkten einer globalen Zivilisation aus kooperierenden Dörfern weiter. Sie stehen inhaltlich der dezentralen Open-Source-Ecology-Bewegung nahe, die eine Open Source Ökonomie aufbaut, welche sowohl Produktion als auch Verteilung optimiert, und dabei Regeneration der Umwelt und soziale Gerechtigkeit fördert. OpenEcoLabs können multifunktional als Begegnungsraum, Innovationhub, Impact-Hub, Co-Working-Space, Offene Werkstätte, Repair-Café, Green Business Nodes usw. gestaltet werden.

*** Leuchtturmprojekte
Vivihouse, hundertjährige Waschmaschine, SOV (Social Vehicle), Greenfreeze2 usw. sind Open Source Hardware-Leuchtturmprojekte und Vorbilder für eine ressourcenbasierte Kreislaufwirtschaft. Diese Projekte sind modular aufgebaut und zum Teil schon sehr kompatibel zueinander, so dass sie in immer mehr Lebensbereiche integriert werden können. Viele dieser Projekt-TrägerInnen sind hier als PartnerIn gelistet.

**** Von FabCities zu FabVillages
Der globalen Initiative der FabCities gehören bereits 34 Städte bzw. Regionen weltweit an. Ziel der Initiative ist, städtische Ökonomien auf eine vernetzte digitale Fertigung auszurichten, so dass diese immer mehr von dem produzieren können, was sie selbst konsumieren. Dieses Konzept kann - angepasst - auf den ländlichen Raum übertragen werden.

Warum glaubst Du inhaltlich an diese Idee?

Mit entsprechenden Werkzeugen und inspiriert von der erfolgreichen Open-Source-Software-Bewegung sind wir gut in der Lage, mit Empathie und Kooperation Probleme zu lösen, Communities zu bilden und neue kreative Ideen zu generieren. Das was mit Open Source in der Software begann, kann mit Open Hardware in der materiellen Welt weitergeführt werden.

Community-basierte OpenEcoLabs können zudem als Nährboden für Startups und Innovationen (siehe San Francisco, Israel etc.) dienen, die wir als wirtschaftliche Motoren der neuen Kreislaufwirtschaft etablieren können. Hierfür brauchen wir Open Source (gemeinsame Standards, Transparenz, Zugang zu Lösungsansätzen).

Wir glauben, dass die Sustainbale Development Goals, der Green New Deal und die EU-Initiative "Neues Europäisches Bauhaus" dem Bauhaus21 einen Schub geben werden. Wir sehen darin ein großes Potenzial, die Orte/Dörfer des 21. Jahrhunderts interdisziplinär und ganzheitlich mitzugestalten.

Was ist der positive Nutzen der Idee?

  1. Stringentes, abgestimmtes Handeln in dezentraler, verteilter Manier - basierend auf einer gemeinsam formulierten Vision.
  2. Nutzbarmachung, Aktivierung und Anpassung von leerstehenden oder neuartigen Gebäuden für OpenEcoLabs, die gut erreichbar und sichtbar gelegen sind - für die Vernetzung, den Austausch und der Durchführung gemeinsamer Projekte. Entwicklung einer Kultur der Zusammenarbeit im Sinne der Open-Source-Ökologie. Neue soziale und kreislauffähige Innovationen und dazu passende Geschäfts- und Goverancemodelle. Beispiele dafür reichen von Bürgerenergiegemeinschaften bis hin zu "Fibre to the Farm", etc.
  3. Die digitale Vernetzung führt zu Wissens- und Datenaustausch, gegenseitiger (Bewusstseins-)Bildung, Strategien für die verteilte Produktion im Kontext nachwachsender Rohstoffe, Kompetenzaufbau im Bereich der erneuerbaren Energien und Digitalisierung. Einsparpotenziale und bessere Handhabbarkeit können durch Building Information Modeling (BIM) erwartet werden. Simulationen von Dörfern durch Digital Twins werden genauere und besser abstimmbare Planungen ermöglichen.
  4. Neue Arbeitsplätze und Märkte selbst generieren, nicht auf externes Investment warten. Neue Start-Ups und innovative Unternehmen in den Bereichen (Biomaterialien, erneuerbare Energien, Next Generation Farming, Vertical Permaculture, Nachwachsende Rohstoffe,...) gründen.
  5. Erfüllung der Klimaziele, während sich die Dörfer neu erfinden und umgestalten.

In welchem „Regionencluster“ (am besten mehrere Regionen) soll die Idee zuerst ausprobiert werden?

Das Südburgenland dient als erste Pilotregion. Die energieautarke Gemeinde Güssing als Teil einer Klima- und Energiemodellregion bietet dafür einen idealen Anknüpfungspunkt. Dabei ist es möglich auf bestehende Netzwerke zurückzugreifen, wie z. B. dem KLAR! ökoEnergieland, das mittlerweile aus 19 Gemeinden besteht. Dort ist auch das OpenLandLAB angesiedelt - ein OpenEcoLab. Es soll als Impulsgeber in der Region dienen, basierend auf einem Netzwerk, das sich über die Jahre vor allem im Rahmen von mobilen OpenEcoLab-Containern und Repair-Cafés gebildet hat. Partnerschaften mit dem benachbarten Bildein (Dorf ohne Grenzen) und mit dem Netzwerk der "Silos der Zukunft" sind in Vorbereitung. Zum Thema Digitalisierung: Der Stoob-Stützpunkt der Landesbaudirektion wird als digitaler Zwilling vorgebaut (ein konkretes BIM-Projekt!).

Wie kann die Idee in andere Regionen Österreichs übertragen werden?

OPEN SOURCE PHILOSPHIE
Die Open-Source-Strategie spielt dabei eine integrale Rolle. Zudem soll ein Bauhaus21-Leitfaden dabei unterstützen, Projekte einfacher von Grund auf modular, erweiterbar, skalierbar und übertragbar entstehen zu lassen. Alle genannten Ideen dienen der Vernetzung, dem Empowerment und der Verbreitung - die auch vor nationalen Grenzen nicht Halt machen.

TOOLS
Der Aufbau einer Plattform für ein Open-Source-Ökosystem unter Verwendung modernster Werkzeuge bildet die Grundlage für die digitale Übertragbarkeit.

REGIONEN-NETZWERKE
AkteurInnen aus der Oststeiermark haben ihr Interesse an Kooperationen am Bauhaus21 bekundet. Auch Kooperationen am Dreiländereck Österreichs (Jennersdorf) mit Ungarn und Slowenien bieten spannende Möglichkeiten zum internationalen Austausch.

Wie ist die Idee nach der „How Now Wow Matrix“ zu klassifizieren?

  • HOW: Open Source als Norm gesellschaftlichen und unternehmerischen Miteinanders.
  • NOW: Projekte, die ökologisches oder transformatorisches Potential verfolgen. Hier kann bereits auf ein Reihe an Leuchtturmprojekten und Kompetenzen verwiesen werden, die auch in diesem Antrag beschrieben sind.
  • WOW: Bauhaus21: Wir inspirieren die Welt und verbinden digital natives mit der Bioproduktion im Global Village. Aus Einzelprojekten werden Ökosysteme, die das Leben am Land von Grund auf verändern. Die DorfbewohnerInnen werden selbst zu den AkteurInnen der anstehenden ökologischen und digitalen Transformation - und haben die nötige Infrastruktur und Unterstützung dafür.

Kontakt

Marina Schwenzner BA
Marina Schwenzner BA
Regionale Innovationssysteme
T +43 5 7755 3509
marina.schwenzner@ffg.at