COWORKATION STATION

Wie wird Deine Idee bezeichnet?

COWORKATION STATION: die überraschenden neuen Funktionen alter Bahnhöfe - Arbeiten & Inspiration: ein bahnbrechendes Coworkation-Modell

Kurze Beschreibung der Idee

Auf einem alten Bahnhof einer still gelegten Nebenbahn (oder ähnlicher ländlicher Infrastruktur) wird ein Coworkation-Raum geschaffen, der eine ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit und zugleich einen neuen Arbeitsraum mit digitalisierter Ausstattung ergibt. Der Raum lässt sich entweder als mobile Variante in ausrangierten Waggons oder stationär in den leer stehenden Empfangsgebäuden denken. 

Warum glaubst Du inhaltlich an diese Idee?

Versuche mit dem Waggonhotel Anger (Oststeiermark) belegen einen Trend zu ungewöhnlichen Angeboten. Die Erweiterung  auf Coworkation ist ein Ergebnis aus dem FFG-Ideation-Prozess. Es handelt sich um einen Übertragungseffekt (spillover) aus dem örtlichen Leerstanddiskurs auf den touristischen und sozialen Bereich - beflügelt durch a) den Trend zu ungewöhnlichen (Übernachtungs-)Angeboten und b) die Neudefinition der Arbeitsräume post Covid-19, die den Begriff „(public) Homeoffice“ in einem neuen Licht erscheinen lässt. Das Angebot ist in seiner Kuriosität an diverse Gruppen gerichtet, in seiner Ortsbezogenheit aber an Frauen und Männer mit Kindern (Kinderbetreuung in der Nähe). Das Angebot lässt sich (halb-)tageweise buchen und ist räumlich differenziert: Rückzugsraum (retreat), Arbeitsraum digitalisiert (work), sozialer Treffpunkt (co). Für die Raumgestaltung eignen sich Waggons, Gebäude und Areal, z.B. außen: öffentlicher Obstgarten auf brachen Flächen zum Entspannen. Hintergrund: die wissensbasierte Arbeit wird im Grunde ortlos, die Sehnsucht nach besonderen Orten größer. Die alten Empfangsgebäude laden auf's Neue ein.

Was ist der positive Nutzen der Idee?

In Österreich gibt es Nebenbahnstrecken mit ungenützten Gebäuden und Fuhrparks. Für die Gemeinden stellen diese Ensembles ein Potenzial für eine dringende neue Umbaukultur dar. Für örtliche Hotelbetriebe ergeben sich neue wirtschaftliche Möglichkeiten durch Saisonverlängerungen oder neue Gästegruppen. Diese diversen Gruppen kommen entweder von weither (Kuriositätsfaktor) oder aus der unmittelbare Nähe (Home-Office-Erweiterung) - so gedacht ist es eine Neuerfindung der „traditionellen Naherholung“ und richtet sich vor allem an berufstätige Personen mit Kinderbetreuungsaufgaben. Der Anziehungseffekt lässt sich mit Inspiration (hidden treasure), Technologie (digital service, paperless office), Inklusion (social learning) beschreiben. Die flexiblen Arbeits-/Wohnräume können wie Netzwerkknoten aufgebaut werden, die in dieser Doppelfunktion zu einer neuen Anziehungskraft für das Land werden. 

In welchem „Regionencluster“ (am besten mehrere Regionen) soll die Idee zuerst ausprobiert werden?

Es wurden LEADER-Regionen als potenzielle Partner angefragt, die die Infrastruktur im eigentlichen Sinne aufweisen:
Joglland (Feistritztalbahn),  Holzwelt Murau (Murtalbahn), Regio V (Bregenzerwaldbahn). Weitere möglich: Mariazellerland (Mariazellerbahn), Nationalpark Hohe Tauern (Pinzgauer Lokalbahn), Waldviertler Grenzland (Waldviertelbahn) u.a.

Wie kann die Idee in andere Regionen Österreichs übertragen werden?

Für die Umsetzung eignen sich viele ländliche Regionen mit Nebenbahn-Strukturen oder ähnlichen 
Kulturlandschaftsformen: 
a) Im eigentlichen Sinne Neunutzung alter Bahninfrastruktur im ländlichen Raum; b) Im weiteren Sinne Neugestaltung „alter Orte“ nach dem Prinzip „Genius loci“: der historische Aspekt ist Gestaltungsprinzip, wird aber in eine zeitgemäße Nutzung überführt, ohne die Spuren der ursprünglichen Verwendung völlig zu verwischen. Diese Kombination "alt-neu" ist nicht nur ressourceneffizient (ökologischer Aspekt), sondern hat auch architektonisches Potenzial. Die RaumgestalterInnen arbeiten mit dem, was bereits vorhanden ist, experimentieren und finden unerwartete Antworten auf die Fragen der Zeit. 

Wie ist die Idee nach der „How Now Wow Matrix“ zu klassifizieren?

WOW - Buchstäblich bahnbrechende realisierbare Idee: Neunutzung inspirierender alter (Bahngebäude)-Substanz, die in die Gegenwart transferiert wird. So entsteht eine COWORKATION STATION, die 3 Raumfunktionen bietet - für: Rückzug, Arbeiten, Austausch. Die sozialen Funktionen sind zweifach: a) Kultureller Austausch zwischen örtlicher Bevölkerung und neuen Gästegruppen (mit touristischem Zusatznutzen), b) örtliches Angebot für ortsansässige Personen mit wissensbasierten Arbeitsaufgaben, Kinderbetreuungspflichten und Wunsch nach erweitertem "Home-Office" (sozialer Zusatznutzen). Anders als beim klassischen Coworking, geht es hier um einen professionellen Arbeitsort, in dem die NutzerInnen möglichst ungestört ihre Aufgaben erledigen können, sich dabei von der Umgebung inspirieren lassen und bei Bedarf trotzdem Gleichgesinnte treffen können (geplant sind 2 bis 3 Einheiten in der Pilotphase).

Kontakt

Marina Schwenzner BA
Marina Schwenzner BA
Regionale Innovationssysteme
T +43 5 7755 3509
marina.schwenzner@ffg.at