Laura Bassi 4.0 Bericht Netzwerkforum – Digitalisierung und Chancengerechtigkeit

 

Veranstaltungsbericht zum 1. Laura Bassi 4.0 Netzwerkforum am 16. März 2021

Quelle: ÖGUT

 

Im Oktober 2020 wurde das „Netzwerk Laura Bassi 4.0 - Digitalisierung und Chancengerechtigkeit" auf Initiative der FFG in Zusammenarbeit mit dem BMDW, ÖGUT und Joanneum Research ins Leben gerufen. Seither haben sich erste Arbeitsgruppen formiert, neue Forschungsprojekte sind dazugekommen und viele Interessierte haben sich dem Netzwerk angeschlossen. Bei dem 1. Online-Netzwerkforum am 16.März stand wieder die Frage „Wie schaffen wir eine chancengerechte Digitalisierung?“ im Mittelpunkt. 

Kristina Grandits und Sonja Kopic von der FFG begrüßten als Gastgeberinnen und skizzierten den Charakter und die Ziele des Netzwerks: das Netzwerk richtet sich an Menschen, die „den Drang und die Bereitschaft haben, die Digitalisierung aktiv zu gestalten“. Neben dem persönlichen Wissensgewinn gehe es um die Entwicklung von Lösungen für eine chancengerechte Digitalisierung.

Die Moderatorin Ruth Picker gab einen Einblick in die derzeitige Struktur des Netzwerks. Was macht das Laura Bassi Netzwerk derzeit aus? Wie ist das Netzwerk aufgebaut? 

"Die Grafik zeigt die Struktur des Netzwerks Laura Bassi 4.0 - Digitalisierung und Chancengerechtigkeit. Im Zentrum steht das geteilte Anliegen der „Chancengerechten Digitalisierung“. Rund um dieses Anliegen im Bild durch einen roten Kreis dargestellt, gruppieren sich die geförderten Projekte, die mit einem grünen Kreis visualisiert sind, und die Arbeitsgruppen, die mit einem blauen Kreis dargestellt sind. Darüber hinaus bietet das Netzwerk auch Beteiligungsmöglichkeiten mit geringerer Intensität und Verbindlichkeit, wie die Teilnahme an Workshops oder der LinkedIn-Gruppe. Diese Beteiligungsmöglichkeiten für alle Interessierten sind mit dem grauen äußeren Kreis dargestellt."
Struktur Netzwerk Laura Bassi 4.0 - Digitalisierung und Chancengerechtigkeit, Quelle: ÖGUT

 

Das Netzwerk bietet die Möglichkeit auf unterschiedliche Arten mitzuarbeiten. Im Zentrum des Interesses steht das geteilte Anliegen „Chancengerechte Digitalisierung“. Rund um dieses Anliegen gruppieren sich die geförderten Projekte und die Arbeitsgruppen. Jede Arbeitsgruppe beleuchtet das zentrale Thema aus ihrem Blickwinkel und trägt zur Verwirklichung der Vision bei.

Darüber hinaus bietet das Netzwerk auch Beteiligungsmöglichkeiten mit geringerer Intensität und Verbindlichkeit wie die Teilnahme an Workshops oder der LinkedIn Gruppe. Die Teilnehmer*innen wählen selbst, wie nah oder entfernt sie sich am Netzwerkkern ansiedeln. Diese Positionierung kann sich im Laufe der Zeit auch verändern. Das Netzwerk ist „flexibel “ und lädt alle dazu ein sich dort zu positionieren wo sie etwas beitragen können. Die Arbeit nahe am Netzwerkkern wird gezielt unterstützt.

Inspiration zum Thema chancengerechte Digitalisierung boten die vier neuen Laura Bassi 4.0 Projekte, die im Rahmen der 2. Ausschreibung finanziert wurden.

 

Die Projekte der 2. Ausschreibung Laura Bassi 4.0: Digitalisierung chancengerecht gestalten!

 

fAIr by design - Entwicklung eines neuen Prozessmodells für nicht-diskriminierende KI

Rania Wazir präsentierte das Projekt fAIr by design, welches darauf abzielt das Risiko einer Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft und anderen Dimensionen bereits während der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz zu verringern. Durch die Entwicklung eines interdisziplinären Prozesses und einer Fairness-Toolbox wird die Lücke zwischen theoretischen Ethikleitlinien und praktischer Anwendung geschlossen.

INDUCE - Cyber-Sicherheitskompetenz durch Cyber-Übungen

Die Inhalte des Projekts “INDUCE” wurden von Maria Leitner (AIT Austrian Institute of Technology GmbH) präsentiert. Das Projekt zielt darauf ab Cybersicherheitskompetenzen und -fähigkeiten mit Cyber-Übungen für eine breite Zielgruppe zugänglich zu machen. 

Pflegende Angehörige - Innovationsnetzwerk zur Entlastung pflegender Angehöriger 

Anna Fassl (Ludwig Boltzmann Gesellschaft GmbH) stellte das Projekt „Pflegende Angehörige“ vor. Im Innovationsnetzwerk werden unter Einbeziehung der Zielgruppe neuartige digitale Lösungskonzepte zur Entlastung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen entwickelt.

Ein digitaler Wegweiser bei sozialen Problemen: Der Sozialroutenplan für Westösterreich

Die Entwicklung eines digitalen Sozialroutenplan für Westösterreich steht im Fokus des Projektes, das von Andreas Exenberger (Universität Innsbruck) präsentiert wurde. Über einen partizipativen Prozess werden auf Basis eines bestehenden Printprodukts mehrere digitale Werkzeuge entwickelt, die Informationen über Beratungsstellen, Angebote sowie rechtliche Rahmenbedingungen in niederschwelliger Form bereitstellen.

(Nähere Informationen zu den Projekten finden Sie in Kürze auf der FFG-Website.)

 

Virtuelles Weltcafé

In einem virtuellen Weltcafé haben wir die Leitfrage für das Laura Bassi Netzwerk: Wie schaffen wir eine chancengerechte Digitalisierung? weiterbearbeitet und überlegt welche Aktivitäten wir im Netzwerk vorantreiben wollen. Einige wichtige Essenzen aus dem Weltcàfe:

"Die Grafik zeigt, was die Teilnehmenden gerne mit dem Netzwerk möglich machen möchten. Vorerst braucht es ein gemeinsames Verständnis von chancengerechter Digitalisierung. Darauf aufbauend möchten die Teilnehmenden mit dem Netzwerk Maßnahmen setzen, um Ängste abzubauen, den Zugang zur Digitalisierung zu erleichtern und vor allem unterrepräsentierte Gruppen mit einzubeziehen. Auch der Bereich Bildung erscheint den Teilnehmenden als essenziell. Sie sprechen sich für eine ganzheitliche Technologiebildung aus. Berufsbilder und -ausbildungen sollen zukunftsfit und Umschulungen fair gestaltet werden. Die Teilnehmenden haben zudem Interesse an interdisziplinärerem Austausch und möchten Maßnahmen zur Gestaltung von fairen Algorithmen setzen. Darüber hinaus möchten sie nachhaltige Richtlinien für Innovationen gestalten. Dabei unterstreichen die Teilnehmenden, dass es einen Wandel vom Technik-zentrierten Innovationsbegriff zu einem Innovationsbegriff, der soziale Ungleichheiten mitdenkt, die durch Digitalisierung verschleiert werden können, aber trotzdem bestehen bleiben, braucht. Hier werden vor allem die Auswirkungen durch die Coronakrise angesprochen, wo Randgruppen weiter an den Rand gedrängt werden."

 

Marktplatz

Im zweiten Teil des Netzwerkforums bot ein „Marktplatz“ Einblicke in die Vorhaben der bereits gegründeten Arbeitsgruppen sowie in die Projekte aus der 1. Ausschreibung.

Die Themen der Arbeitsgruppen

Technologiebildung

Digitalisierungskonzepte für Schulen sollen um den Aspekt erweitert werden, dass Kinder und Jugendliche lernen Technologien nicht nur zu nutzen, sondern diese auch aktiv mitzugestalten. Dazu braucht es vernetzte Kenntnisse in unterschiedlichen Bereichen wie Technisches Werken, Informatik, Technikfolgenabschätzung, Ethik, Mechanik/Mechatronik, Nachhaltigkeit etc. Technologieentwicklung sollte sich weniger an Problemstellungen, sondern an Problemen orientieren, vor denen die Welt heute steht (z.B. Sustainable Development Goals). Das zeigt für Kinder und Jugendliche den Sinn von Technologieentwicklung auf und macht diese auch attraktiver für Mädchen.

Digitale Inklusion und Partizipation

Diese Arbeitsgruppe widmet sich der Frage, wie die Digitalisierung besser an Menschen und deren Bedürfnissen ausgerichtet werden kann. Im Vordergrund steht das Lernen aus Good-Practice Beispielen für den Einsatz im Gesundheits- und Sozialbereich. Auf der Basis der durchgeführten Recherchen und Diskussionen in der Arbeitsgruppe sollen Schlussfolgerungen abgeleitet und im Kontext möglicher Umsetzungspotentiale für den Gesundheits- und Sozialbereich vorgestellt und diskutiert werden.

Partizipative Entscheidungen digital fällen

Bewusstseinsbildung zur Bedeutung von partizipativer Entscheidungsfindung und wie diese auch in der Praxis digital umgesetzt werden können sind zentrale Ausgangspunkte dieser Arbeitsgruppe. Ansatzpunkte soll neben einem inhaltlichen Austausch auch kollegiale Beratung für praktische Anwender*innen sein.

Spielerische Ansätze zur Vermittlung von digitalen Kompetenzen

Der Begriff “Gamification” ist seit langer Zeit in aller Munde, eine genaue Definition oder Beschreibung fällt vielen aber schwer. Die Arbeitsgruppe möchte dazu beitragen diesen Terminus greifbarer zu machen und im zweiten Schritt aufzeigen, in welcher vielfältigen Weise “spielerische” Ansätze” bereits in vielen Branchen und Industrien Einzug gefunden haben. Neben der Darstellung der Anwendungsmöglichkeiten von spielerischen Ansätzen sollen auch Ausbildungsmöglichkeiten aufgezeigt werden und Strategien zur Verbesserung der Chancengleichheit und Inklusion erarbeitet werden.

(Online) Community Building

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem Aufbau, Mehrwert und dem Weiterentwickeln von Online Communities. Fragen, was eine Community ausmacht, wie der Zugang gestaltet werden kann und wie Mehrwert erhalten und kreiert werden kann, sollen über einen Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe und über Impulse von Expert*innen zu wissenschaftlichen und praktischen Perspektiven erfolgen.

Auf dem Marktplatz hatten die Teilnehmenden ebenfalls Gelegenheit sich mit den Projekten der 1. Ausschreibung zu vernetzen:

 

Die Projekte der 1. Ausschreibung Laura Bassi 4.0: Frauen gestalten chancengerechte Digitalisierung!

  • DigitalEnergy4all: eine digitale Handelsplattform, um lokale Energiegemeinschaften zu ermöglichen 
  • #die Netzwerkerinnen: ein Online-Netzwerk für Frauen für Empowerment und Mitgestaltung des digitalen Wandels 
  • VREDE - Visual Tool for Responsible Decisions: Konzeption und Gestaltung eines visuellen Tools für verantwortungsvolle Gruppenentscheidungen

 

Strategische Ausrichtung des Netzwerks

Eine weitere spontane Austauschrunde zur gemeinsamen strategische Ausrichtung des Netzwerks ging der Frage nach, was es zukünftig braucht, um noch wirksamer zu werden. Veränderung erzeugt häufig Angst und Abwehr, umso wichtiger ist es, Geschichten und Bilder einer wünschenswerten Zukunft zu entwickeln und zu erzählen: „Wie wollen wir Digitalisierung gestalten, damit sie an den Bedürfnissen der Menschen nicht vorbeigeht?“ Und wie könnte so eine wünschenswerte Zukunft aussehen, in der das konstruktive Potenzial der Digitalisierung erfüllt ist?

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen sehr herzlich und freuen uns mit den Impulsen des 1. Netzwerkforums weiter zu arbeiten! Herzlichen Dank auch an das Moderationsteam Ruth Picker, Astrid Reinprecht & Aliette Dörflinger.

 

Wie geht es weiter?

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Sie wollen eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, ein Thema ins Spiel bringen, oder Ihr Wissen teilen und ein Angebot an die Netzwerk-Partner*innen machen (z.B. Impulsvortrag, Diskussionsrunde, Praxiseinblick ...)? Bitte kontaktieren Sie Beatrix Hausner (beatrix.hausner@oegut.at).

Sie wollen sich in ein Thema vertiefen und in eine Arbeitsgruppe einsteigen? Nähere Details zu den Arbeitsgruppen finden Sie auch in Kürze auf der FFG Website.

Sie freuen sich auf das nächste Netzwerkforum und damit auf die Gelegenheit, neue Menschen kennen zu lernen, ins Gespräch zu kommen & ins Thema einzutauchen? Der nächste Workshop findet im Herbst 2021 statt – hoffentlich von Angesicht zu Angesicht!

Bleiben sie am Laufenden und  tragen Sie sich in die LinkedIn-Gruppe ein.

 

Feedback-Highlights

Was nehmen Sie aus dem heutigen Netzwerkforum mit?

„Viele Sichtweisen aus anderen Blickwinkeln. DANKE !!“

„Viele neue Impressionen, Ideen, Kontakte - zum Weiterdenken, Reflektieren, Arbeiten“

„Sehr spannende Diskussionen und Dankeschön für die perfekte Organisation!“

„Sehr viel Inspiration, Neugier, Freude, dass Sie so vieles bereits auf den Weg gebracht haben, was für unsere Gesellschaft zentral ist. Bravo!!“

„Ich war das erste Mal dabei und habe es sehr spannend gefunden auf so vielseitige Weise über Digitalisierung zu sprechen. Bin das nächste Mal auch gerne dabei und finde, dass das Forum auch von der technischen Umsetzung her super umgesetzt wurde. Vielen Dank!“

 

Empfehlungen der Teilnehmenden aus dem Chat