#Success Story: BIONIC FEEDBACK

Den Phantomschmerz an der Wurzel packen

Das österreichische Medizintechnikunternehmen Saphenus entwickelt in einem EU-Projekt ein bionisches Feedbacksystem, das Menschen nach dem Verlust einer Gliedmaße ihr Gefühl zurückgibt und Phantomschmerzen reduziert oder gar eliminiert.

Collage von modularen Teilen des Bionic Feedback Systems und einer vollständigen Beinprothese
Foto: Saphenus

Der Kontext

Die Amputation, der Verlust von Gliedmaßen, bedeutet für die Betroffenen eine gravierende Lebenszäsur, häufig erschwert durch lang anhaltende Schmerzen. Zum Teil handelt es sich um Phantomschmerzen: Das Gehirn versucht sensorische Informationen von der nicht mehr vorhandenen Extremität abzurufen. Weil das nicht gelingt, verstärkt das Gehirn die Sensitivität. Phantomempfindungen und Phantomschmerz entstehen. Sie zu lindern gab es keine wirksame Methode, zuletzt bleiben starke Medikamente wie Morphine und Opiate, die den Schmerz nur symptomatisch bekämpfen.

Das niederösterreichische Medizintechnik-Unternehmen Saphenus, Spezialist in bionischer Prothetik, hat erstmals ein sensorisches Feedbacksystem entwickelt, das dem Gehirn genau diese Informationen, nach denen es sucht, wieder zur Verfügung stellt. Mittels eines modulartigen Instruments gelingt dies nicht invasiv. Damit wird nicht nur der Phantomschmerz angegangen, gleichzeitig erhöht sich auch die Qualität beim Gehen und Stehen mit Prothesen. Diese werden dadurch noch besser an das Gesamtkörperbild angepasst und integriert.

Das Projekt

Das 2106 gegründete Unternehmen Saphenus Medical Technology hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern, denen das Gefühl in den Beinen fehlt, sei es durch Polyneuropathie oder durch Amputation. 1,5 Millionen Amputierte und 7,5 Millionen Menschen mit Polyneuropathie und schwerwiegenden sensorischen Problemen sind europaweit betroffen. Für diese beiden Zielgruppen hat Saphenus die bahnbrechende Lösung nach dem bionischen Prinzip. Mit dem Bionic Feedback System (BFS), bei dem sensorische Nervenenden in das Hautareal des Beinstumpfs umgeleitet werden, bekommen die Betroffenen das Gefühl des verlorenen oder beschädigten Fußes zurück, fühlen wieder authentisch und das Gehirn erhält wieder sensorische Informationen.

Saphenus entwickelt mit dieser Methode eine neue Produktkategorie, die die prothetische Versorgung weltweit auf ein neues Niveau hebt. SURALIS und CUTANEUS, die beiden BFS-Produkte von Saphenus, sind patentierte High-Tech-Zusatzgeräte, die aus einer Sensorsohle und einem Aktorenteil bestehen, welches am Stumpf oder Bein appliziert wird. Sie ermöglichen eine erschwingliche und optimierte Versorgung von Amputierten und Diabetikern. Zugleich soll mit diesen Technologien auch – den Sustainable Development Goals der UN entsprechend - in weniger entwickelten Märkten und Ländern ein besserer Zugang zu prothetischer Versorgung unterstützt werden.

Die Rolle des österreichischen Projektträgers

Saphenus verfügt über ein starkes Netzwerk in der medizinischen Forschung sowie in der Krankenversicherung und bei Vertriebspartnern. Der wesentliche Partner in dem Projekt ist die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA)), die schon seit zwei Jahren ein Projekt mit Saphenus betreibt. Ziel ist es, am point of care die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, von der Amputation bis zum Alltag von Betroffenen. Dazu werden mit und für die AUVA Assessments entwickelt, die helfen sollen, die Qualität der prothetischen Versorgung maßgeblich zu verbessern. Saphenus arbeitet dabei mit führenden Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen zusammen und greift auch gänzlich neue Forschungsideen auf dem Gebiet „Sensorik in der Exoprothetik“ auf und treibt sie voran. Saphenus ist seit Herbst 2020 auch Kooperationspartner des Ludwig Boltzmann Instituts für experimentelle und klinische Traumatologie.


Projektkoordinator Rainer Schultheis
Foto:
Saphenus

Der europäische Mehrwert

Projektkoordinator Rainer Schultheis: „Abseits natürlich von der gediegenen finanziellen Unterstützung, die eine Unabhängigkeit einerseits, eine Beschleunigung des Projekts andererseits ermöglicht, sind es die klaren Strukturen, die dem Prinzip „structure follows strategy“ rasch eine umfassende und zielorientierte Unternehmensstrategie ermöglichen. Der Profit entsteht aber schon vor dem Zuschlag für den Grant. Die Anträge sind nach meiner Ansicht genau dazu angetan, im Unternehmen die richtigen Fragen zu stellen und zu überlegen, wo die essentiellen Skalierungspunkte im Unternehmen sind. Daher macht es Sinn, diese Proposal nicht extern zu vergeben, sondern die Mühe eines eigenen Projektantrages einzugehen. Auch wenn nicht gleich von Erfolg gekrönt, zeigen auch die Ergebnisse und mögliche Zwischenerfolge wie der Seal of Excellence, ob der Weg der Richtige ist. Zudem sorgt der im EIC Accelerator immer mehr vorangetriebene Aspekt des Storytelling dafür, noch klarer seine Kernbotschaften zu vermitteln. In der Funding Phase sind die angebotenen Coachings ein wichtiger Aspekt, um etwa noch schwächere Bereiche im Unternehmen zu stärken.“

Horizon 2020: 75 Milliarden Euro für Forschung und Innovation

Das EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 ist das weltweit größte transnationale Programm für Forschung und Innovation. Rund 75 Milliarden Euro stehen im Zeitraum 2014 bis 2020 zur Verfügung. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG stellt als National Kontaktstelle (National Contact Point, NCP) ein umfassendes Beratungs- und Informationsangebot zur Verfügung. Diese Maßnahmen werden von mehreren Ministerien und der Wirtschaftskammer Österreich unterstützt.


 

Kontakt

DI Dr. Angelo Nuzzo MBA
DI Dr. Angelo Nuzzo MBA

T +43 5 7755 4203
angelo.nuzzo@ffg.at
Mag. Dr. Ines Haberl
Mag. Dr. Ines Haberl

T +43 5 7755 4103
ines.haberl@ffg.at

Weitere Informationen

Fact Box

Projekttitel (en/de): BFS BIONIC FEEDBACK

Förderprogramm: Horizon 2020
Förderlinie: EIC Accelerator Pilot (EIC-SMEInst-2018-2020)
Projekttyp: Innovation Action (IA)

Projektkosten: 2 580 000 Euro
davon EU-Förderung
: 1 806 000 Euro

Projektstart: 1.9.2020
Projektende:
31.8.2022

Projektkoordinator:
Organisation: Saphenus Medical Technology GmbH
Koordinator: Rainer Schultheis
e-mail: rainer.schultheis@saphenus.com