#Success Story: Geoinformation für effiziente Hilfseinsätze

Salzburger GeoinformatikerInnen extrahieren aus Erdbeobachtungsdaten unverzichtbares Wissen für humanitäre Hilfsaktivitäten. Dank FFG-Förderung können diese Informationen künftig auf die Erfordernisse der unterschiedlichsten Hilfs- und Rettungseinsätze maßgeschneidert werden.

Immer wieder müssen Menschen aufgrund von Naturkatastrophen, bewaffneten Konflikten oder regionalen Krisen fluchtartig ihre Heimat verlassen. Aus diesen Flüchtlingsbewegungen entstehen oft großräumige und hochdynamische Ansiedlungen, über die meist die grundlegendsten Informationen fehlen: Wie viele Menschen befinden sich überhaupt an welchen Orten? Wie schnell wachsen diese Flüchtlingsansiedlungen? Gibt es in der Nähe Grundwasser und landwirtschaftliche Flächen, um die Menschen zu versorgen?


Hydrogeologische Karte des Gebiets rund um das Flüchtlingscamp Kule. Bild: Z_GIS

Der Mangel an zuverlässigem Wissen über diese Migrationsströme stellt Hilfsorganisationen, die spontan und schnell reagieren müssen, vor enorme Herausforderungen. So kommt es etwa gar nicht so selten vor, dass die HelferInnen aufgrund falscher Informationen an Orte eilen, wo gar keine Flüchtlinge sind, oder dass statt der erwarteten 50.000 Menschen doppelt so viele versorgt werden müssen. Zudem ist die Erfassung der räumlichen Daten in den meist abgelegenen Camps extrem schwierig und zum Teil sogar gefährlich.

Karten, Berichte, Online Web-Dienste

Um die Hilfsorganisationen dennoch mit den erforderlichen Informationen zur versorgen, haben ForscherInnen der Universität Salzburg eine Methode entwickelt, mit der sie die nötigen Geoinformationen aus Erdbeobachtungs- und GIS-Daten ableiten können. „Unsere Kooperationspartner, zu denen seit Jahren etwa die Organisation Ärzte ohne Grenzen zählen, bekommen diese Daten innerhalb weniger Tage in Form von Karten, Online-Web-Diensten oder Berichten“, erklärt Stefan Lang vom Interfakultären Fachbereich für Geoinformatik der Universität Salzburg. Diese Informationen ermöglichen es Ärzte ohne Grenzen bereits seit 2011, ihre Hilfe bei großen Flüchtlingsbewegungen etwa in Zentral- und Ost-Afrika zu optimieren. „Aus unseren Daten können die HelferInnen beispielsweise herauslesen, wo sich wie viele Menschen gerade befinden, wie schnell die Camps wachsen, ob und wo es Grundwasservorkommen oder landwirtschaftlich nutzbare Flächen gibt“, so Stefan Lang.

Erweitertes Angebot

Damit auch andere Hilfsorganisationen von diesem Service profitieren können, wurde mit finanzieller Unterstützung der FFG und in Kooperation mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum DLR das bestehende Leistungsangebot im Rahmen des Projekts EO4HumEn erweitert und optimiert. Durch das ebenfalls FFG-geförderte, bis 2018 laufende Folgeprojekt EO4HumEn+ sollen künftig auch Flüchtlingsströme in urbanen Regionen erfasst werden, wo Bevölkerungsabschätzungen ganz besonders schwierig sind. „Die Unterscheidung zwischen Neuankömmlingen und der lokalen Bevölkerung auf Basis von Geoinformation ist alles andere als trivial, aber machbar“, weiß der Geoinformatiker. Auch im Bereich der Naturkatastrophenhilfe soll das erweiterte Angebot wesentliche Erleichterungen bringen. So könnte man etwa das Rote Kreuz durch spezifische Geoinformationen bei seinen Katastropheneinsätzen in Zentralasien unterstützen, wo es durch spontane Gletscherschmelze immer wieder zu verheerenden Überflutungen kommt.

Europäisches Erdbeobachtungssystem

Die beiden EO4HumEn-Projekte sind ein Beitrag zum großen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus, mit dem die EU ein unabhängiges europäisches Erdbeobachtungssystem schaffen und betreiben will. Während dabei bislang vor allem Informationen für umwelt- und sicherheitsrelevante Fragestellungen erarbeitet wurden, kam durch das Salzburger Projekt nun auch die humanitäre Hilfe als wichtiger neuer Anwendungsbereich dazu.

Kontakt:

Dr. Stefan Lang
Universität Salzburg, Fachbereich Geoinformatik Z_GIS
5020 Salzburg, Schillerstr. 30
Tel.: 0662 8044 7510