#Success-Story: MAD-CoV2

Auch österreichische Forschungspartner sind der Achillesferse des Coronavirus auf der Spur.

Apeiron Biologics, JLP Health und das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) forschen als österreichische Partner in einem internationalen Konsortium unter schwedischer Koordination an neuartigen Therapien zur Bekämpfung des Coronavirus. Im Zentrum steht dabei ein von Apeiron-Gründer Josef Penninger als Türöffner für das Virus identifiziertes Protein.

Foto von einem Forscher im Labor
Foto: Europäische Kommission

Der Kontext

Weltweit konzentriert sich die biomedizinische Forschung auf die Bekämpfung des Coronavirus, das rund um den Globus menschliches Leid verursacht sowie soziale und ökonomische Schäden anrichtet. Ein Konsortium, dem die österreichischen Biotech-Unternehmen Apeiron und JLP Health sowie das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) angehören, ist der Achillesferse des gefährlichen Virus auf der Spur. Dabei spielt das Protein ACE2 (Angiostensin-Converting-Enzym 2), das sich an der Oberfläche von Organzellen findet, eine entscheidende Rolle. Das wurde schon im Gefolge der SARS-Epidemie 2003 erkannt, die von einem anderen Virus aus der Coronafamilie ausgelöst wurde. Josef Penninger, damals Direktor des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) am Vienna Biocenter und Gründer von Apeiron, identifizierte das Molekül als Rezeptor, an den dieses Virus andockt und über den es in die Zellen eindringt. Das Gleiche gilt nun auch für den aktuellen SARS-COV-2-Virus. Seine Abhängigkeit von ACE2 als Rezeptor und damit Türöffner in die Zelle ist der Ansatzpunkt zur Entwicklung innovativer Behandlungen und zielgerichteter Medikamente zur Bekämpfung von COVID-19. Daran arbeitet das Konsortium.

Diese Ablaufgrafik wird in den folgenden 2 Absätzen erläutert.
Grafik: © APEIRON Biologics

Das Projekt

Im MAD-CoV-2-Projekt arbeitet ein multidisziplinäres Team weltweit führender ForscherInnen, innovativer Industriepartner und KMU zusammen, welches schnellstmöglich wissenschaftliche Erkenntnisse umsetzen kann. Die Projektpartner waren bereits bei den ersten SARS- und Ebola-Ausbrüchen vor Ort und leiteten Einrichtungen zur Eindämmung dieser hochinfektiösen Viren. Sie sind weltweit führend in der Entwicklung menschlicher Gewebe und etablierten bahnbrechende Technologien, die es ermöglichen, Wirtsfaktoren für die Virusinfektionen mit bisher unerreichter Geschwindigkeit und Auflösung zu finden. So entdeckten sie ACE2 als erste in-vivo Verbindung zu SARS und den entstandenen Lungenschäden. ACE2 ist auch der Schlüsselrezeptor für das SARS-CoV-2-Spike-Protein. Dieses steht im Mittelpunkt neuartiger Therapien und ist essenziell für ein grundlegendes Verständnis von COVID-19. Die damit verbundene Arzneimittelentwicklung wird nun an europäischen COVID-19-PatientInnen getestet

Die Ziele von MAD-CoV-2 bestehen in der Identifizierung von Wirtsfaktoren, die für die Virusinfektion und letztlich Krankheitsentwicklung verantwortlich sind. Dafür werden state-of-the-art Methoden, wie beispielsweise die fortschrittlichsten Screening Methoden verwendet, um den Vorgang der Virusinfektion besser verstehen zu lernen, was dazu dienen soll, therapeutische Ansatzpunkte zu finden. Darüber hinaus werden zur Testierung von potenziellen Therapeutika humane Organoid-Systeme entwickelt, die eine möglichst physiologisch relevante Untersuchung der Wirkung erlauben sollen. Durch die Struktur des Konsortiums wird darüber hinaus die Möglichkeit geschaffen, die daraus entstehenden Erkenntnisse möglichst schnell zur Anwendung an Patienten zu bringen.

Das Konsortium

Das Konsortium hat sich im Rahmen der Innovative Medicines Initiative (IMI2) formiert, einer Public-Private-Partnership zwischen der Europäischen Union und der pharmazeutischen Industrie, vertreten durch deren europäischen Dachverband, der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA), und wird über diese Schiene im Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 finanziert. Das Konsortium setzt auf die Zusammenarbeit verschiedene Disziplinen und die Kombination der Expertise unterschiedlicher Teilnehmer. Das Projekt schafft damit eine Plattform zur Beschleunigung der Forschungsleistungen und deren Umsetzung in therapeutische Ansätze.

Die Projektteilnehmer

  1. Statens Veterinaermedicinska Anstalt, Schweden
  2. INSERM TRANSFERT SA, Frankreich
  3. Institut für Molekulare Biotechnologie GMBH, Österreich
  4. Justus Liebig Universität Giessen, Deutschland
  5. JLP Health GMBH, Österreich
  6. APEIRON Biologics AG, Österreich
  7. Fundacio Institut De Bioenginyeria De Catalunya, Spanien
  8. Stemcell Technologies UK LTD, Vereintes Königreich
  9. VIRONOVA AB, Schweden

Die Rolle der österreichischen Partner

Die österreichischen Partner in diesem Projekt bringen zum einen Expertise im Bereich der Grundlagenforschung (IMBA) und zum anderen im Bereich des Screenings für krankheitsrelevante oder modulierende Faktoren (JLP) und der Behandlung (Apeiron) ein. Besonders wichtig sind State-of-the-Art Forschungszugänge in allen drei genannten Bereichen, wie beispielsweise der Einsatz speziell adaptierte Maus-Modellsysteme, auf CRISPR Cas9 basierende Screening Systeme und ein schon in klinischer Entwicklung befindliches Therapeutikum, das Apeiron in das Konsortium einbringt.

Der europäische Mehrwert

Die im dem EU-Projekt verfolgte Strategie zur Charakterisierung von unterschiedlichen Aspekten der SARS-CoV-2 Effekte stellt eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Vernetzung unterschiedlicher Forschungsgruppen und Firmen dar. Die so geschaffenen Netzwerke speziell auch im Hinblick auf den schnellen und effizienten Austausch von Entwicklungs- und Forschungsergebnissen tragen zu einer schnellen Weiterentwicklung unseres Verständnisses des Virus und auch allfälliger therapeutischer Optionen bei.“

Horizon 2020: 75 Milliarden Euro für Forschung und Innovation

Das EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 ist das weltweit größte transnationale Programm für Forschung und Innovation. Rund 75 Milliarden Euro stehen im Zeitraum 2014 bis 2020 zur Verfügung. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG stellt als National Kontaktstelle (National Contact Point, NCP) ein umfassendes Beratungs- und Informationsangebot zur Verfügung. Diese Maßnahmen werden von mehreren Ministerien und der Wirtschaftskammer Österreich unterstützt.

Kontakt

Mag. Dr. Ines Haberl
Mag. Dr. Ines Haberl

T +43 5 7755 4103
ines.haberl@ffg.at

Weitere Informationen

FACT BOX

Projekttitel: Modern approaches for developing antivirals against SARS-CoV 2

Förderprogramm: Horizon 2020

Förderlinie: Innovative Medicines Initiative (IMI)

Projekttyp: Research and Innovation Actions (RIA)

Projektkosten: 6.405.169 Euro

davon EU-Förderung: 3.749.669 Euro (IMI)

und 2.655.500 Euro (EFPIA, in kind)

Projektstart: 01/08/2020

Projektende: 31/07/2024

Projektkoordinator:
Organisation: Statens Veterinaermedicinska Anstalt, Schweden

Koordinator: Ali Mirazimi
e-mail: ali.mirazimi@ki.se

Österreichische Projektpartner:
APEIRON Biologics AG

JLP Health GMBH
Institut für Molekulare Biotechnologie GmbH

Projektwebsite: https://www.imi.europa.eu/projects-results/project-factsheets/mad-cov-2