#Success Story: ACCESS >> Digitale Kompetenz kennt kein Alter!

Im Projekt ACCESS wird länderübergreifend unter Mitwirken der Universität Wien und Finanzierung des BMBWF die Förderung von digitaler Kompetenz älterer Menschen erforscht.

Die Digitalisierung betrifft mittlerweile sämtliche Lebensbereiche und erfordert von Menschen aller Altersgruppen digitale Kompetenzen. Besonders ältere Menschen haben diese oftmals weniger, was mitunter auch die Teilnahme am sozialen Leben beeinflusst. Im Rahmen der Joint Programming Initiative (JPI) "More Years, Better Lives" werden im Projekt ACCESS die digitalen Kompetenzen älterer Menschen aus einer interdisziplinären Perspektive zwischen Sozial-, Technik- und Erziehungswissenschaften erforscht. Unter Mitwirken der Universität Wien und mit FFG-Unterstützung gehen die Forscherinnen und Forscher u.a. der Frage nach, welche Lernangebote es künftig brauchen wird, damit ältere Menschen digitale Kompetenzen nachhaltig aufbauen können.


Digitale Kompetenzen sind in jeder Altersgruppe gefragt.
Fotocredit: ACCESS Projekt


Rechnungen online bezahlen, die Wahlkarte via Homepage der Gemeinde beantragen, das nächste Zugticket mittels App buchen – der Alltag wird vielfach erleichtert. Doch was, wenn man diese digitalen Möglichkeiten nicht nutzen kann? Viele ältere Menschen weisen sehr geringe digitale Kompetenzen auf. Betrachtet man beispielsweise die 65-74-Jährigen in Österreich, so haben laut EUROSTAT (2017) 41 Prozent noch nie das Internet benutzt. Im Vergleich: In Deutschland sind es 30 Prozent, in Finnland 21 Prozent und in Italien 64 Prozent. Hier setzen die Forscherinnen und Forscher im Projekt ACCESS an. Sie erforschen aus unterschiedlichen Perspektiven, welche Lernprozesse es braucht, um digitale Technologien nutzen zu können.

Dabei wird den Fragen nachgegangen, wie unterschiedliche europäische Länder die digitalen Kompetenzen älterer Menschen fördern, welche Barrieren ältere Menschen im Zugang zu neuen Technologien erleben und wie darauf aufbauend Lernangebote gestaltet sein müssen, um den Zugang älterer Menschen zu digitalen Umwelten zu unterstützen.
 

Drei Aspekte des Lernprozesses
Die interdisziplinäre und länderübergreifende Zusammenarbeit der sechs Projektpartner fokussiert auf drei Aspekte des Lernprozesses:

(1) inwiefern das technische Gerät den Lernprozess fördern oder behindern kann (Sozioinformatik)

(2) welche Bedeutung soziale Prozesse im Lernprozess haben, wie z.B. die Unterstützung durch Angehörige (Soziologie)

(3) wie das Erlernen neuer Technologien im Alter stattfindet und wie dementsprechend Bildungsangebote gestaltet werden sollten (Psychologie und Erziehungswissenschaften).

Alle drei Aspekte werden im Sinne einer Gesamtsicht in einem gemeinsamen Modell zusammengetragen. Weiters werden länderspezifische, politische Rahmenbedingungen des Lernens mit neuen Technologien verglichen. Diese formen das Lern- und Bildungsangebot und beeinflussen somit entscheidend die Nutzung und das Erlernen digitaler Technologien.
 


Treffen des ACCESS-Konsortiums und des Advisory Boards in Wien, April 2019.
Fotocredit: Claudia Müller

 

Sechs Partner aus fünf Ländern
Das Projekt wird von der Universität Siegen in Deutschland koordiniert, das Konsortium umfasst sechs Partner aus fünf Ländern.

Das ACCESS-Konsortium im Überblick:

  • Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien, Universität Siegen, Deutschland (Koordination)
  • Institut für Soziologie, Universität Wien, Österreich
  • School of Educational Sciences and Psychology, University of Eastern Finland, Finnland
  • INRCA Istituto Nazionale di Riposo e Cura per Anziani/ National Institute on Health and Science of Ageing, Italien
  • Deutsches Institut für Japanologie, Japan
  • Institut für Gerontologie, TU Dortmund, Deutschland
     


Franz Kolland vom Institut für Soziologie der Universität Wien bringt sein Know-How ein.
Fotocredit: Universität Wien


 

Vergleich ermöglicht gemeinsame, neue Lösungswege
Ein spezieller Fokus, mit dem sich vor allem das Institut für Soziologie der Universität Wien beschäftigt, liegt bei den Techniklebensläufen und der Ablehnung digitaler Geräte von älteren Menschen mit geringen digitalen Kompetenzen. Dabei wird erforscht, wieso viele ältere Menschen digitale Geräte nicht nutzen, welche sozialen, ökonomischen und räumlichen Barrieren bestehen und wie Bildungsangebote mit diesen Barrieren umgehen können.

"Die Techniknutzung im Alter hängt mit den nationalen und politischen Rahmenbedingungen zusammen, vor deren Hintergrund Lern- und Bildungsmöglichkeiten für ältere Menschen angeboten werden. Die Zusammenarbeit mit Partnerinnen und Partnern aus unterschiedlichen Ländern ermöglicht einen Vergleich dieser nationalen Bedingungen, wodurch Vor- und Nachteile der österreichischen Rahmenbedingungen herausgearbeitet werden können", so Prof. Franz Kolland vom Institut für Soziologie der Universität Wien. "Darüber hinaus können durch den Austausch unterschiedlicher, nationaler Erfahrungen gemeinsam neue Lösungswege und Herangehensweisen entwickelt werden."

 

Joint Programming
Joint Programming (Gemeinsame Programmierung) ist ein Ansatz zur Förderung der Zusammenarbeit und Koordinierung von Forschung und Entwicklung in Europa. Die gemeinsame Initiative "More Years, Better Lives - das Potenzial und die Herausforderungen des demografischen Wandels" soll die Koordinierung und die Zusammenarbeit zwischen europäischen und nationalen Forschungsprogrammen im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel verbessern. Gebiete, die vom demografischen Wandel betroffen sind, decken ein breites Spektrum von Forschungsfeldern und Politikthemen ab, von Gesundheit über soziale Fürsorge, Bildung & Lernen, Arbeit & Produktivität bis hin zu Wohnungsbeschaffung, städtischer und ländlicher Entwicklung und Mobilität.

JPI "More Years, Better Lives" folgt einem transnationalen, multidisziplinären Ansatz, der verschiedene Forschungsprogramme und Forschende aus verschiedenen Disziplinen zusammenführt, um Lösungen für die anstehenden Herausforderungen zu finden und das Potenzial des gesellschaftlichen Wandels in Europa auszuschöpfen. Derzeit nehmen 15 europäische Länder sowie Kanada und Israel teil.

Kontakt

DI Susanne Meissner-Dragosits
DI Susanne Meissner-Dragosits

T +43 5 7755 4406
susanne.dragosits@ffg.at
Mag. Marisa Sebald
Mag. Marisa Sebald

T +43 5 7755 4006
marisa.sebald@ffg.at

FACT BOX

Projekttitel: ACCESS – Supporting digital literacy and appropriation of ICT by older people   

Projekt im Rahmen der Joint Programming Initiative (JPI) "More Years, Better Lives" – The Potential and Challenges of Demographic Change

Projektstart: 1. April 2018
Projektende: 31. März 2021

Förderung: rund 890.000 Euro

Förderung für den österreichischen Projektpartner durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) im Rahmen von MissionERA: rund 185.000 Euro

 

Projektkoordination: Universität Siegen (Deutschland)

Partner: Universität Wien

Kontakt:
Franz Kolland
Universität Wien, Institut für Soziologie
Rooseveltplatz 2
1090 Wien

Franz.kolland@univie.ac.at