#Success Story: Die urbane Mobilität der Zukunft fährt Slim Fit

Bereits heute leben rund 70 Prozent der Europäerinnen und Europäer in urbanen Ballungsräumen – Tendenz steigend, was gerade auch für den Verkehr eine tägliche Herausforderung ist. Neben dem Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel gibt es ebenso den Wunsch nach individueller Mobilität. Hier setzt "EU-LIVE" (Efficient Urban Light Vehicles) an: In diesem "Horizon 2020"-Projekt arbeiten zwölf Partner aus sechs Ländern an der nächsten Generation leichter Fahrzeuge für urbane Ballungsräume. Projektkoordinator Werner Rom sieht durch das Projekt auch "eine nachhaltige Verankerung in der internationalen EU-Forschungslandschaft".

Next Generation: Die urbane Mobilität der Zukunft fährt Slim Fit
Fotocredit: PSA Groupe
 

Die urbane Mobilität der Zukunft fährt Slim Fit, denn sie verlangt nach mehr Raum für Menschen bei gleichzeitig weniger Platz für Fahrzeuge. Wie kann diese vermeintliche Quadratur des Kreises gelingen? Während sich viele von uns tagtäglich im Stau oder bei der Parkplatzsuche ärgern und wertvolle Zeit verlieren, tüftelt Werner Rom mit seinem Team im "Kompetenzzentrum – Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH" in Graz an einer tauglichen Lösung: Gemeinsam mit elf weiteren Partnern aus insgesamt sechs Ländern wird an so genannten L-Klasse-Fahrzeugen geforscht. Das sind motorisierte, elektrifizierte Fahrzeuge mit zwei, drei oder vier Rädern. Sie bieten beträchtliches Potenzial für individuelle Mobilitätslösungen, denn sie brauchen wesentlich weniger Platz und tragen zur Vermeidung von Verkehrsüberlastungen sowie Senkung von Lärm und Schadstoffemissionen bei. Klingt gut – ist es auch, leider aber ebenso aufwendig und teuer in der Entwicklung. Im Projekt "EU-LIVE", das im EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon 2020" mit rund 6,7 Millionen Euro gefördert wird, soll nun eine umfassende europäische Lösung für die nächste Generation kosten- und energieeffizienter Fahrzeuge für urbane Ballungsräume entwickelt werden.

 

Gemeinsame Plattform als ideale Grundlage
Konkret geht es um einen systematischen, anwenderzentrierten und europäischen Ansatz zur effizienten Konzeption, Entwicklung und Herstellung von L-Klasse-Fahrzeugen. Auf der "EU-LIVE Modular-Plattform" wird eine Vielfalt an Antriebssträngen, Karosserieformen und Bauteilen innerhalb dieser Fahrzeugklassen demonstriert. Sämtliche Beteiligte profitieren von der Wiederverwendbarkeit, Flexibilität und dem wechselweisen Austausch verschiedener Fahrzeugkomponenten und Systeme. Kurzum: Die Plattform ist eine ideale Grundlage für leise, saubere, energieeffiziente und sichere individuelle Mobilität in Städten. Das Projekt wurde im Juni 2015 gestartet und insgesamt für drei Jahre anberaumt. Ziel ist es, dass mit Mai 2018 prototypische Demonstratoren für verschiedene L-Klasse-Fahrzeuge zur Verfügung stehen, die auf Basis der "EU-LIVE Modular Plattform" entwickelt werden. 

 

Vielfältige Anforderungen

Welchen Anforderungen müssen diese Fahrzeuge entsprechen? Zum einen etwa müssen sie Wind und Wetter trotzen, zum anderen sowohl für kurze wie lange Strecken einsatzfähig sein. Das EU-LIVE Fahrzeug der Klasse L5e, ausgestattet mit zwei Sitzplätzen, ist bei allen Witterungsbedingungen und sowohl in der Stadt (rein elektrischer Betrieb) als auch für längere Fahrten auf Autobahnen geeignet. Es erreicht bis zu 130 km/h und hat eine Reichweite von mehreren hundert Kilometern im Plug-in Hybrid Modus. Weiters stehen ein rein elektrisches Motorrad (Klasse L3e) und ein völlig neues vierrädriges Fahrzeug (Klasse L6e) auf der ambitionierten Entwicklungsagenda des engagierten Teams.

 

 

Erfolgreiche Teamarbeit.
Fotocredit: IFPEN / PSA Groupe
 

Ein Projekt, zwölf Partner, sechs Länder
Das "Horizon 2020"-Projekt "EU-LIVE" wird von einem interdisziplinären Konsortium getragen, das zwölf Partner aus insgesamt sechs Ländern umfasst:

  1. Kompetenzzentrum - Das Virtuelle Fahrzeug, Forschungsgesellschaft mbH, Österreich (Koordination)
  2. PSA Automobiles S.A., Frankreich
  3. Peugeot Motorcycles SAS, Frankreich
  4. Continental Automotive GmbH, Deutschland
  5. Samsung SDI Battery Systems GmbH, Österreich
  6. Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V., Deutschland
  7. Mondragon Goi Eskola Politeknikoa J.M.A. S.COOP, Spanien
  8. fka Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen, Deutschland
  9. Spirit Design Innovation and Brand GmbH, Österreich
  10. IFP Energies nouvelles, Frankreich
  11. Freni Brembo SpA, Italien
  12. ELAPHE pogonske tehnologije d.o.o., Slowenien

     

Projektkoordinator Werner Rom
Fotocredit: Thule G. Jug
 

Kompetenzzentrum – Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH bringt als Projektkoordinator einen umfangreichen Erfahrungsschatz, sowohl was die Abwicklung europäischer Forschungsprojekte als auch komplexe Fahrzeugsimulationen und –entwicklung betrifft, in das Projekt ein. Die weiteren österreichischen Partner sind Samsung SDI Battery Systems GmbH sowie Spirit Design Innovation and Brand GmbH. Samsung entwickelt die Batterien für die L3e und L5e Fahrzeuge, Spirit Design zeichnet für Disseminierungs- und marktrelevante Aktivitäten verantwortlich.

 

Nachhaltige Verankerung in der EU-Forschungslandschaft
"Mit unseren branchenübergreifenden Projekten und strategischen Partnerschaften mit Keyplayern aus Industrie und Forschung gelingt uns im Rahmen des 'Horizon 2020'-Projektes eine nachhaltige Verankerung in der internationalen EU-Forschungslandschaft", skizziert Werner Rom, Leiter des Bereichs "Cross Domain" im Kompetenzzentrum – Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH den Mehrwert des Projektes. "Daraus ergibt sich das Potential, dass wir unsere wissenschaftliche Exzellenz ausbauen." Die Gesamtleitungen sowie das Initiieren und Gestalten europäischer Leitprojekte trage weiters dazu bei, sich als anerkannter und gefragter internationaler Forschungspartner in Europa zu profilieren. Die FFG ist dabei ein starker Partner – auf europäischer wie nationaler Ebene, denn die engagierten Forscherinnen und Forscher sind ua auch im Programm "COMET" (Competence Centers for Excellent Technologies) mit dem COMET-Zentrum "K2 Digital Mobility - Context-Embedded Vehicle Technologies" erfolgreich.

 

"Horizon 2020": Rund 75 Milliarden Euro für Forschung und Innovation
Das EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon 2020" ist das weltweit größte, transnationale Programm für Forschung und Innovation. Rund 75 Milliarden Euro stehen im Zeitraum 2014 bis 2020 zur Verfügung. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG stellt als Nationale Kontaktstelle (National Contact Point, NCP) ein umfassendes Beratungs- und Informationsangebot zur Verfügung. Diese Maßnahmen werden von mehreren Ministerien (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung/BMBWF, Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort/BMDW, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie/BMVIT und weiteren) und der Wirtschaftskammer Österreich finanziert.