#Success Story: MIN-GUIDE >> Wenn nachhaltige Innovation auf Bergbau trifft

Die sozio-ökonomische Entwicklung Europas hängt stark von einer sicheren Versorgung mit Mineralien ab. Genau hier setzt das von der FFG unterstützte "Horizon 2020"-Projekt "MIN-GUIDE" an: Für die Förderung nachhaltiger Innovation im Bergbau wird ein Rahmen zur nachhaltigen Rohstoffgewinnung entwickelt. Das interdisziplinäre Projekt wird vom Institut für Nachhaltigkeitsmanagement der Wirtschaftsuniversität Wien koordiniert und umfasst neun weitere Partner. "Durch diese Zusammenarbeit kommen wir im bisher eher unterrepräsentierten Forschungsgebiet der Rohstoffpolitik effizient zu neuen Erkenntnissen", so die beiden Koordinatoren Gerald Berger und Andreas Endl.

 

Rohstoffgewinnung hatte über Jahrzehnte ein schlechtes Image, da Bergbau häufig mit Umweltverschmutzung, Zerstörung von Landschaften und Unfällen assoziiert wurde. Die Nachfrage nach Rohstoffen in Wirtschaft und Gesellschaft ist jedoch ungebrochen und die Rohstoffimporte nahmen in den vergangenen Jahrzehnten entsprechend stark zu. Im Projekt "MIN-GUIDE" werden nun innovative Lösungsansätze in Politik und Wirtschaft untersucht, damit Bergbau in Europa nach den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung betrieben und gefördert wird. Mit "MIN-GUIDE" wird der Erfahrungsaustausch zwischen EntscheidungsträgerInnen aus Politik, Wirtschaft, Industrie und Zivilgesellschaft aus ganz Europa ermöglicht: Entlang der gesamten Bergbauwertschöpfungskette und deren ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen sollen so zukunftsfähige Antworten zur Ressourcenversorgung in Europa entwickelt werden.

 

Nachhaltige Lösungen für Rohstoffsicherheit in Europa

Ziel ist ein starkes Netzwerk zur sicheren und nachhaltigen Versorgung von nicht-energetischen Rohstoffen in Europa. Dazu untersucht das interdisziplinäre Projektteam u.a.anhand von Fallbeispielen den Zusammenhang zwischen innovationsfördernden oder -hemmenden Aspekten in gesetzlichen Regelwerken und anderen politischen Steuerungsinstrumenten (z.B. Strategien, ökonomische Anreize). Es werden dabei zukunftsweisende Innovationen europäischer Unternehmen unter die Lupe genommen, um nachhaltige Lösungen für Rohstoffsicherheit und -gewinnung in Europa zu erörtern.

Die Online-Datenbank "Mineral Policy Guide" wächst.
Quelle: https://www.min-guide.eu/

 

Die drei Hauptaktivitäten im Rahmen von „MIN-GUIDE“ im Überblick:

  • Mineral Policy Guide: Entwicklung einer umfassenden und benutzerfreundlichen Online- Datenbank. Diese Datenbank systematisiert Daten und Informationen aller 28 EU-Mitgliedstaaten zur Rohstoffpolitik (z.B. einzelne Gesetzesverordnungen zu Bergbauverfahrensgenehmigungen oder nationale Strategien für Nachhaltige Entwicklung im Bergbausektor). Darüber hinaus beinhaltet die Datenbank Fallbeispiele und ermöglicht Einblicke in innovationsfördernde oder innovationshemmende Wirkungen von politischen Maßnahmen.
  • Policy Laboratories: Im Rahmen von fünf Workshops werden Projektresultate zu Innovation und Rohstoffpolitik entlang der gesamten Bergbauwertschöpfungskette mit ExpertInnen aus Industrie, Zivilgesellschaft und öffentlicher Verwaltung diskutiert. Diese Workshops tragen zum Verständnis bei, welche Politikinstrumente eine innovationsfördernde Wirkung auf Wirtschaftsbetriebe haben und welche Maßnahmen zukünftig Bergbau in Europa nachhaltiger gestalten können.
  • MIN-GUIDE Annual Conferences: In der Jahreskonferenz kommen jeweils Akteure aus ganz Europa zu spezifischen Themen zusammen, etwa zur Rohstoffpolitikgestaltung für Nachhaltige Entwicklung (2016) oder zur Rolle von Wertschöpfungsketten im Bergbau (2017). Die Jahreskonferenz 2018 findet im Dezember statt und widmet sich der  Kreislaufwirtschaft. Die Jahreskonferenzen sollen dabei helfen, ein europaweites Netzwerk an ExpertInnen zu Rohstoffpolitik, Nachhaltigkeit und Innovation zu formieren.

 

Das Projektvideo zu "MIN-GUIDE"

 

Ein Projekt, zehn Partner, neun Länder
Das "Horizon 2020"-Projekt "MIN-GUIDE" wird vom Institut für Nachhaltigkeitsmanagement der WU Wien koordiniert und umfasst insgesamt zehn Partner aus neun Ländern, darunter ist mit der Montanuniversität Leoben ein weiterer österreichischer Partner.

 

Das Konsortium im Überblick:

  1. Institut für Nachhaltigkeitsmanagement der WU Wien, Österreich (Koordinator)
  2. The Policy Studies Institute, University of Westminster, Großbritannien
  3. Montanuniversität Leoben , Österreich
  4. The Luleå University of Technology, Schweden
  5. The National Technical University of Athens, Griechenland
  6. The Instituto Geologico y Minero de Espana (Geological Survey of Spain), Spanien
  7. The University of Aveiro, Portugal
  8. GOPA Com, Belgien
  9. The University of Zagreb, Faculty of Mining, Geology and Petroleum Engineering, Kroatien
  10. The Ministry of Economic Affairs and Employment of Finland, Finnland

 

Am Institut für Nachhaltigkeitsmanagement der WU Wien, das von Andre Martinuzzi geleitet wird, sind die beiden Wissenschaftler Gerald Berger und Andreas Endl mit der Koordination des EU-Projekts betraut. Sie bringen einen reichhaltigen Erfahrungsschatz in das Projekt ein, da beide seit Jahren über Mechanismen zu einer effektiven Politikgestaltung für Nachhaltige Entwicklung forschen.

 

 

Die Projektkoordinatoren Andreas Endl und Gerald Berger
Fotocredit: primephoto

 

Auf neuen Lösungswegen zu neuen Erkenntnissen

Die Zusammenarbeit mit Partnern aus unterschiedlichen EU-Mitgliedsstaaten berge sowohl Herausforderungen als auch viele Vorteile, betonen Gerald Berger und Andreas Endl: "Neue Arbeitsweisen und das Verständnis anderer nationaler Rahmenbedingungen ermöglichen es, neue Lösungswege und Herangehensweisen für problem- und praxisorientierte Forschung zu entwickeln." Besonders durch den Austausch mit Institutionen aus anderen Mitgliedsstaaten "kommen wir im bisher eher unterrepräsentierten Forschungsgebiet der Rohstoffpolitik effizient zu neuen Erkenntnissen", so die beiden Wissenschaftler.  

 

"Horizon 2020": Rund 75 Milliarden Euro für Forschung und Innovation
Das EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon 2020" ist das weltweit größte, transnationale Programm für Forschung und Innovation. Rund 75 Milliarden Euro stehen im Zeitraum 2014 bis 2020 zur Verfügung. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG stellt als Nationale Kontaktstelle (National Contact Point, NCP) ein umfassendes Beratungs- und Informationsangebot zur Verfügung. Diese Maßnahmen werden von mehreren Ministerien (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung/BMBWF, Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort/BMDW, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie/BMVIT und weiteren) und der Wirtschaftskammer Österreich finanziert.