#Success Story: "MyToolBox" >> Ein Werkzeugkasten gegen Schimmelpilze!

Mykotoxine sind wesentliche Kontaminanten im Lebens- und Futtermittelbereich – sehr zum Leidwesen von Landwirten und Lebensmittelherstellern. Denn die Schimmelpilze führen beispielsweise zu Ernteausfällen und verursachen damit hohe Kosten. Eine Herausforderung, der sich das von der FFG beratene "Horizon 2020"-Projekt "MyToolBox" stellt: Ziel ist ein web-basierter "Werkzeugkasten", mit dessen Hilfe Mykotoxine in der gesamten Lebens- und Futtermittelkette kontrolliert und reduziert werden können. Das Projekt wird am Department für Agrarbiotechnologie Tulln, Universität für Bodenkultur Wien von Rudolf Krska koordiniert und umfasst 23 weitere Partner aus elf Ländern.

Mykotoxine sind Stoffwechselprodukte aus Schimmelpilzen. Laut Europäischer Kommission gehen bis zu zehn Prozent der globalen landwirtschaftlichen Produktion durch die Kontamination mit Mykotoxinen verloren. Die Ernteausfälle, Verluste entlang der Produktionsketten und Kosten für Inspektionen und Analysen führen jährlich zu enormen finanziellen Einbußen. In dem im März 2016 gestarteten Projekt "MyToolBox" soll  eine web-basierte Toolbox erarbeitet werden, mit deren Hilfe der Gehalt an Mykotoxinen über die gesamte Lebens- und Futtermittelkette hinweg kontrolliert und reduziert werden kann. Das beginnt bereits beim Anbau der betroffenen Feldfrüchte, wo dem Befall durch neue Ansätze entgegengewirkt werden soll.

 

"Biokontrolle": Mit den eigenen Waffen schlagen

Ein Beispiel dafür ist das Konzept der "Biokontrolle": Schimmelpilze werden mit Mikroorganismen bekämpft, die mit den Schimmelpilzen in Konkurrenz treten, selbst aber keine toxischen Substanzen abgeben. Im Zuge des Projekts soll weiters der Einsatz von Biopestiziden erprobt werden. Neben Weizen und Mais werden dabei auch Trockenfrüchte wie Feigen herangezogen. Sind die Feldfrüchte geerntet, muss die Kontamination während der Lagerung verhindert werden. Dazu soll im Rahmen des Projekts eine Methodik entwickelt werden, die über die Messung der Kohlendioxid-Aufnahme auf Schimmelbefall schließen lässt. Geringe, in den landwirtschaftlichen Rohstoffen verbliebene Mykotoxinbelastungen können während des Verarbeitungsprozesses noch weiter verringert werden.
 

Fotocredit: Facebook/MyToolBox

 

Übertragung von Pilzgiften auf Nutztiere verhindern

Im internationalen Projektteam ist unter anderem auch der Pasta-Produzent "Barilla". Die Kooperation dreht sich dabei insbesondere um Optimierungen von Mahl- und Backvorgängen. Mit der Biomin Holding GmbH, einem in Niederösterreich beheimateten Hersteller von Futtermittelzusätzen, wird ebenso zusammengearbeitet, insbesondere im Bereich Detoxifikation von Futtermitteln: Dadurch kann eine Übertragung von Pilzgiften auf Nutztiere verhindert werden. Neuartige Enzyme werden in "MyToolBox" zur Entgiftung von Mykotoxin-kontaminiertem Mais während der Produktion von Bioethanol und Biogas eingesetzt. So können selbst hochkontaminierte Mais-Chargen noch nutzbringend zur Gewinnung alternativer Energie eingesetzt werden. Alle erarbeiteten Maßnahmen werden schließlich auf einer webbasierten Plattform zusammengefasst.

 

Ein Projekt, 23 Partner, 11 Länder
Das "Horizon 2020"-Projekt "MyToolBox" wird von Rudolf Krska amDepartment für Agrarbiotechnologie Tullnkoordiniert und umfasst insgesamt 23 Partner aus elf Ländern. Darunter sind mit der International Association for Cereal Science and Technology (ICC, Wien), der Biomin Holding GmbH (Getzersdorf, Niederösterreich) und der EVK DI Kerschhaggl GmbH (Raaba-Graz, Steiermark) drei weitere österreichische bzw. in Österreich beheimatete Partner.Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch das ebenfalls von Rudolf Krska geleitete Analytikzentrum, das über jahrelange Erfahrung verfügt und als weltweit führend gilt. Die Mykotoxin-Forschung ist auch ein Beispiel für die wechselseitige Ergänzung nationaler und internationaler Forschungsförderung.

 

"MyToolBox" basiert auf Teamarbeit – Project Steering Committee beim Kick-Off Meeting in Tulln, 2016
Fotocredit: MyToolBox

 

Das Konsortium im Überblick:

  1. Universität für Bodenkultur Wien, Österreich
  2. Stichting Dienst Landbouwkundig Onderzoek RIKILT (DLO-RIKILT), Niederlande
  3. International Association for Cereal Science and Technology (ICC), Österreich
  4. Harper Adams University (HAU), Großbritannien
  5. FoodLife International Ltd (FLI), Türkei
  6. BARILLA S.p.A. (BARILLA), Italien
  7. Cranfield University (CRANFIELD), Großbritannien 
  8. Innovacio i Recerca Industrial i Sostenible SL (IRIS), Spanien
  9. University of Novi Sad (UNS), Serbien
  10. HORTA (HORTA), Italien
  11. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Deutschland
  12. Wageningen University (WU), Niederlande
  13. Norwegian Institute for Agricultural and Environmental Research (BIOFORSK), Norwegen
  14. Institute of Agro-Products Processing Science and Technology, Chinese Academy of Agricultural Sciences (CAAS-IAPPST), China
  15. Biomin Holding GmbH (BIOMIN), Österreich
  16. Chinese Academy of State Administration of Grain (ASAG), China
  17. Südzucker AG (Südzucker), Deutschland
  18. Axeb Biotech SL (AXEB), Spanien
  19. Agro LV Limited (Agro LV), Ukraine
  20. Taris Figs Agricultural Sales Cooperatives Unions (TARIS), Türkei
  21. D.O.O. Agrocentrum Becej (Agrocentrum), Serbien
  22. Feed Research Institute, Chinese Academy of Agricultural Sciences (CAAS-FRI), China
  23. EVK DI Kerschhaggl GmbH (EVK), Österreich

                    

Projektkoordinator Rudolf Krska                                     
Fotocredit: Fisher Media

 

Gestärktes Netzwerk, neue Zugänge

Ein wesentlicher Vorteil des "Horizon 2020"-Projekts ist aus Sicht von Projektkoordinator Rudolf Krska die zunehmende Sichtbarkeit nach Außen: "Dadurch konnten wir das bisherige Netzwerk stärken und es ergaben sich neue Zugänge zu Förderungen, Kooperationen und Exzellenz-Zentren." Die Zusammenarbeit mit Industrie und KMUs zeige zudem auf, "wie die gewonnen Erkenntnisse aus der Forschung für verschiedene Anwender und Märkte genutzt werden können". Des Weiteren betont Rudolf Krska, dass sich durch die Mittel des chinesischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie in Höhe von einer Million Euro, welche die chinesischen Partner ASAG und CAAS-FRI zusätzlich eingeworben haben, neue Dimensionen in der EU-China-Kooperation eröffnen, insbesondere hinsichtlich der Kontaminationslevels, aber auch in Bezug auf Forecasting und Silomanagement.

 

"Horizon 2020": Rund 75 Milliarden Euro für Forschung und Innovation
Das EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ ist das weltweit größte, transnationale Programm für Forschung und Innovation. Rund 75 Milliarden Euro stehen im Zeitraum 2014 bis 2020 zur Verfügung. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG stellt als Nationale Kontaktstelle (National Contact Point, NCP) ein umfassendes Beratungs- und Informationsangebot zur Verfügung. Diese Maßnahmen werden von mehreren Ministerien (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung/BMBWF, Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort/BMDW, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie/BMVIT und weiteren) und der Wirtschaftskammer Österreich finanziert.