Wirkungsmonitoring der FFG Förderung

Seit 1977 werden im Auftrag der FFG regelmäßig die Wirkungen der geförderten FTI&E-Projekte erhoben. Die Erhebung wird jährlich durchgeführt und die Fragestellungen werden kontinuierlich verbessert. Mit dem Wirkungsmonitoring ist die KMU Forschung Austria beauftragt.

Bei diesen Analysen geht es darum, im Sinne eines Erfolgsnachweises Aussagen über die Auswirkungen der eingesetzten Förderungsmittel zu ermöglichen. Alle Berichte der letzten drei Jahre stehen unten auf dieser Seite als Download zur Verfügung.

Zusammenfassung 2020

Das Wirkungsmonitoring 2020 bezieht sich auf im Jahr 2016 beendete Forschungsprojekte ab einer gewissen Mindestgröße, für die kein programmspezifisches Monitoring der FFG durchgeführt wird. In diesem Jahr wurden aufgrund aktueller Entwicklungen zwei zusätzliche Themenkomplexe in die Befragung aufgenommen: Auswirkungen von Covid-19 auf F&E-Aktivitäten von Unternehmen sowie eine Darstellung des Status quo forschender Unternehmen und Forschungseinrichtung zum Thema Kreislaufwirtschaft.

Es konnten 98,5% der Unternehmen erreicht werden; der Netto-Rücklauf beträgt, für das FFG Wirkungsmonitoring typisch, sehr hohe 66% (376 Projektteilnahmen). Diese verteilen sich ähnlich wie im Vorjahr zu 48% auf den Bereich Basisprogramme, und zu 39% auf die Thematischen Programme. Der Anteil von Raumfahrprojekten ist mit 9% deutlich höher, jener der Strukturprogramme mit 5% deutlich niedriger.

Forschungseinrichtungen (FE) werden im Wirkungsmonitoring ebenfalls berücksichtigt, weisen im Vergleich zu Unternehmen jedoch typischerweise weniger Projektteilnahmen auf. Insgesamt wurden 346 Projektteilnahmen erreicht und 217 Fragebögen ausgewertet. Dies entspricht einem Netto-Rücklauf von rd. 63%.

Spezialthema: Auswirkung von Covid-19

Die COVID-19 Pandemie zeigt wenig Auswirkungen auf die geplanten Forschungs- und Entwicklungsausgaben von befragten Unternehmen in den kommenden zwei Jahren. Im Vergleich zu 2019 planen mehr als ein Drittel der Unternehmen die F&E Ausgaben sogar zu erhöhen. Dies spricht dafür, dass ein substantieller Anteil der F&E-aktiven Unternehmen auf die Krise durchaus chancenorientiert reagiert.

Im Gegensatz dazu wurde der globale Warentransfer durch die Corona-Pandemie zu knapp einem Drittel nachhaltig beeinflusst. Lediglich 30% der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Lieferketten ohne Unterbrechungen aufrechterhalten werden konnten. Während nach einer Unterbrechung 38% der Unternehmen ihre Lieferketten ohne Veränderungen wiederaufnahmen, kam es in 31% zu nachhaltigen Umstrukturierungen in Teilbereichen. Dieser Anteil verteilt sich auf folgende Strategien, um die Resilienz von Lieferketten zu erhöhen: 12% der Unternehmen führten eine Reorganisation von Lieferketten von globaler hin zur europäischen Ebene durch. In weiteren 12% der Fälle erfolgte die Reorganisation auf globalen Ebene. 7% der Unternehmen vollzogen ein klassisches Insourcing, d.h. sie stellen nun Teile von Produkten und Dienstleistungen selbst her, die sie vormals von Lieferanten bezogen haben.

Spezialthema: Kreislaufwirtschaft

Die Erhebung des Status quo zum Thema Kreislaufwirtschaft zeigt, dass das Thema zwar bei den F&E-aktiven Unternehmen angekommen ist, es aber noch große Entwicklungspotentiale in diesem Bereich gibt. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass an der Befragung großteils innovationsstarke Unternehmen aus dem FFG Portfolio teilnehmen, die sich tendenziell schneller an neue Entwicklungen anpassen als das Gros der Unternehmen.

Als Gründe für die Umsetzung kreislaufwirtschaftlicher Maßnahmen geben 53% an, dadurch ihre Innovationsführerschaft halten oder ausbauen zu wollen. Im Vergleich dazu scheinen Nachfrageänderungen, Wettbewerb und Regulierungen eine geringere Rolle zu spielen, was auf ein unausgeschöpftes Potential politischer Maßnahmen zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft hinweist. Gefragt nach möglichen Unterstützungsleistungen sind mit Abstand F&E Förderungen als wichtigster potentieller Hebel genannt worden, gefolgt von Investitionsförderungen.

Forschungseinrichtungen kommen, gefragt nach dem Handlungsbedarf des Staates zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft, zu einer ähnlichen Diagnose. Diese sehen einen besonders hohen Handlungsbedarf bei der Anpassung der Rahmenbedingungen um Investitionen in die Kreislaufwirtschaft rentabel zu machen sowie Anwendungsforschung vermehrt danach auszurichten.

Allgemeiner Teil: Wirkung bei Unternehmen

Die F&E-Förderungen tragen dazu bei, Unternehmen bei einer Erstförderung zu hohen rd. 70% wiederholt an die Forschung heranzuführen. Diese hohe Hebelwirkung gilt besonders für junge Unternehmen, KMU und Unternehmen deren Geschäftstätigkeit eine geringe Wissensintensität aufweist.

Zudem werden 36% der Projektbeteiligungen genutzt um neue Aktivitätsfelder zu erschließen. Dies wird vor allem von Start-ups und Unternehmen der ältesten Kategorie (> 50 Jahre) genutzt. Somit zeigt sich, dass FFG-Projekte auch für etablierte Unternehmen interessant sind, um neue Geschäftsfelder zu erschließen und sich zu diversifizieren.

Die hohe Additionalität der Förderung bei kleinen Unternehmen und weniger wissensintensiven Technologiegruppen unterstreicht die innovationsbasisverbreiternde Wirkung der direkten Forschungsförderung. Zudem weist die hohe Additionalität bei Kooperationsprojekten darauf hin, dass der Wissens- und Technologietransfer ohne die Förderungen deutlich geringer ausfallen würde.

Die Beschäftigungseffekte wurden differenziert nach Gesamt- und F&E Personal untersucht. Was die Wirkung auf das Gesamtpersonal betrifft, konnten durch die Verwertung des Projektes in 50% der Projektbeteiligungen neue Mitarbeiter*innen eingestellt und in 47% Arbeitsplätze gesichert werden. Das sind die höchsten relativen Werte im Vergleichszeitraum, gleichzeitig ist die Beschäftigungswirkung in absoluten Zahlen aber leicht gesunken, da Großunternehmen etwas niedrigere Werte auswiesen und KU vermehrt Beschäftigungseffekte meldeten. Damit sind die Beschäftigungswirkungen in einer etwas breiteren Basis zu identifizieren.

Frauen sind weiterhin unterrepräsentiert, trotzt einer leicht positiven Entwicklung über die Jahre. Am schwierigsten ist es für Frauen in Hochtechnologieunternehmen Fuß zu fassen. Insgesamt liegt der durchschnittliche Frauenanteil bei Projektbeteiligungen bei 19%. An 65% der Projekte ist zumindest eine Frau beteiligt. Wie auch in den vergangenen Jahren zeigt sich ein starker positiver Zusammenhang zwischen einer weiblichen Projektleitung und dem durchschnittlichen Frauenanteil im Projekt (43%). Allerdings wurden nur 13% der abgeschlossenen Projekte von Frauen geleitet.

Vier Jahre nach Projektende haben bereits 50% der Unternehmen die Ergebnisse wirtschaftlich verwerten können. Die durchschnittliche Verwertungszeit erreicht mit 2,2 Jahren den niedrigsten Wert in den letzten vier Jahren. Dies ist zum einen auf die gute konjunkturelle Lage zurückzuführen. Zum anderen konnten Projektergebnisse, die unter den Förderinstrumenten Wissenstransfer und Innovationsnetzwerke firmieren, deutlich schneller als in den Vorjahren verwertet werden. Die vergleichsweise hohe Beschäftigungswirkung von Kooperationsprojekten ist auf die stärkere Verwertungsausrichtung sowie die nach Fördervolumen stärkere Unterstützung marktnaher Projekte zurückzuführen.

Wirkung bei Forschungseinrichtungen

Forschungseinrichtungen nehmen eine starke Position in der Entwicklung von Kooperationsprojekten ein. In rd. 40% der Fälle kam der Impuls für das Projekt primär von dieser, in weiteren 35% wurde dies gemeinsam mit dem Unternehmen im Diskurs entwickelt.

Die Projekte werden in erster Linie im Rahmen eines bestehenden thematischen Schwerpunkts durchgeführt. Speziell bei Programmen mit Nähe zur Grundlagenforschung bzw. dem Wissenstransfer werden auch häufiger Grundlagen für neue thematische Schwerpunkte gesetzt.

Die Projekte stellen meist einen Teil von Projektketten dar; so gibt es bei rd. drei Viertel der Projekte sowohl Vorprojekte als auch Folgeprojekte.

Durchschnittlich waren pro Projektbeteiligung durch eine Organisation aufgerundet rd. sechs Mitarbeiter*innen am Projekt beteiligt, was im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren ein relativ konstanter Wert ist.

In 63% der Fälle wurden weitere – über die Projektpartner hinausgehende – Akteure eingebunden: in mehr als der Hälfte der Fälle waren das privatwirtschaftliche Akteure (55%) und in etwas mehr als einem Viertel der Fälle (27%) öffentliche Akteure.

Die Projekte haben ein hohes Potenzial für den Wissens- und Technologietransfer: 78% der Befragten antworteten, dass die Ergebnisse potenziell auch in anderen Bereichen nutzbar sind.

Hochschulen publizieren insgesamt gesehen Projektergebnisse etwas häufiger (in Journals, auf Konferenzen, in Branchenzeitschriften) als andere Typen von Forschungseinrichtungen.

Potenzielle Kunden werden zwar bereits in etwa der Hälfte der Fälle durch die projektbeteiligten Forschungseinrichtungen in das Projekt eingebunden, weitere Transferaktivitäten sind jedoch noch stark auf die „klassischen“ Kanäle der Wissensdiffusion bzw. des Wissenstransfers ausgelegt. So geschieht noch relativ wenig in Richtung verstärkte Einbindung von zivilgesellschaftlichen Akteuren und Bürger*innen oder in Richtung Veröffentlichung von Software, Algorithmen oder Daten.

Kontakt

DI Dr. Sabine Mayer
DI Dr. Sabine Mayer
FFG Strategie
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