Laura Bassi 4.0 Bericht Auftaktveranstaltung – Digitalisierung und Chancengerechtigkeit

 

Veranstaltungsbericht zur Auftaktveranstaltung: „Netzwerk Laura Bassi 4.0 - Digitalisierung und Chancengerechtigkeit“ am 16. Oktober 2020

Quelle: ÖGUT

 

Am 16. Oktober 2020 lud die FFG in Zusammenarbeit mit dem BMDW, ÖGUT und Joanneum Research zur Auftaktveranstaltung des Netzwerks Laura Bassi 4.0 – Digitalisierung und Chancengerechtigkeit. Wie entsteht digitale Ungleichheit? Was bewirkt sie? Wie gelingt es uns, in Zeiten von COVID-19, die Digitalisierung chancengerechter zu gestalten? Für diese Fragen wurde bei der Auftaktveranstaltung ein digitaler Open-Space geöffnet, in dem die rund 80 Teilnehmer*innen ihre Ideen und Themen in einen lebendigen und intensiven Austausch einbrachten.

Bundesministerin Margarete Schramböck
Quelle: ÖGUT


Frau Bundesministerin Margarete Schramböck gratulierte zum Start des Netzwerks und begrüßte die Teilnehmer*innen über eine Videobotschaft: „Digitalisierung soll uns helfen die Chancengleichheit zu erhöhen. Dabei ist es wichtig, dass wir ALLE auf diese Reise mitnehmen. […] Es ist wichtig auch in der Forschung hier ein klares Zeichen zu setzen.“

Nach den einleitenden Worten der Bundesministerin präsentierten die FFG-Expertinnen Sonja Kopic und Kristina Grandits die Vision und die Ziele des Laura Bassi Netzwerkes. Über die Angebote des Netzwerks informierten Beatrix Hausner (ÖGUT) und Sybille Reidl (Joanneum Research).

Mit den derzeit laufenden Projekten des Laura Bassi Programms wurden drei Gestaltungsideen aus der Praxis zum Thema chancengerechte Digitalisierung mit einem kurzen Pitch vorgestellt: 

 

Das Projekt DigitalEnergy4all  wurde von Andrea Werner (FH Technikum Wien) präsentiert: In dem Projekt wird eine digitale Handelsplattform für lokale und regionale Energiemärkte entwickelt, über die sich (Klein-) Produzent*innen mit Energieverbraucher*innen zu lokalen Energiegemeinschaften verbinden können.


Quelle: ÖGUT

>Zur Vorstellung des Projekts DigitalEnergy4all von  Andrea Werner (FH Technikum Wien) 

 

Einblicke in das Projekt #dienetzwerkerinnen  gab Jutta Pauschenwein (FH JOANNEUM Gesellschaft mbH ). Im Projekt wurde ein Online-Netzwerk mit und für Frauen entwickelt. Die hier erarbeiteten Materialien stehen als Open Educational Resources jeder Frau (und jedem Mann) unter einer offenen Lizenz zur Verfügung. Das Netzwerk lädt interessierte Frauen herzlich ein sich zu beteiligen!


Quelle: ÖGUT

>Zur Vorstellung des Projekts #dienetzwerkerinnen von Jutta Pauschenwein (FH JOANNEUM Gesellschaft mbH)

 

Dorothea Erharter (GUT Gender und Technik, ZIMD) stellte das Projekt VREDE vor, in dem ein visuelles Tool für verantwortungsvolle Gruppenentscheidungen entwickelt wird. Im Projekt wird erforscht, welche Entscheidungsszenarien mit welchen Methoden gut lösbar sind und ob/wie diese gut digitalisiert und visualisiert werden können; damit sollen partizipative Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse auch für komplexe Themen ermöglicht werden.


Quelle: ÖGUT

>Zur Vorstellung des Projekts VREDE von Dorothea Erharter (GUT Gender und Technik, ZIMD)

 

Als Inspiration für die Auseinandersetzung mit der Frage „Wie gelingt es uns in Zeiten von COVID, die Digitalisierung chancengerecht zu gestalten?“ fasste Sybille Reidl die zentralen Thesen der Laura Bassi-Hintergrundstudie „Digitale Ungleichheit: Wie sie entsteht, was sie bewirkt … und was dagegen hilft“ für die Teilnehmer*innen zusammen.

Ob Menschen Zugang zum Internet haben und wie sie das Internet nutzen, hängt neben der Infrastruktur maßgeblich von Alter, Erwerbstätigkeit, Einkommen und Bildungsgrad ab. Geschlecht spielt eine untergeordnete Rolle: 2008 nutzten das Internet noch deutlich mehr Männer als Frauen (77% bzw. 65%), mittlerweile haben sich die Anteile auf hohem Niveau angeglichen (90% bzw. 85%). Generell stellt Alter ein wichtiges Zugangskriterium dar, wie in Abbildung 2 gezeigt wird: Während in Österreich im Jahr 2018 fast alle Unter-35-Jährigen im Internet surfen, greifen lediglich knapp über der Hälfte der 65- bis 74-Jährigen regelmäßig auf das Internet zu (61% der Männer bzw. 47% der Frauen). Auch die soziale Schicht beeinflusst die Nutzung wesentlich. Dabei gilt: IKT-Innovationen und das Internet nutzen v.a. Menschen mit höherem Einkommen und Bildungsabschluss, bei niedrigem Bildungsniveau ist auch die Nutzungsrate geringer. In Österreich hat ein Viertel dieser Gruppe (24%) das Internet noch nie genutzt – im höchsten Ausbildungsniveau waren es nur 3%.

Quelle: Hintergrundstudie „Digitale Ungleichheit: Wie sie entsteht, was sie bewirkt … und was dagegen hilft“

 

Ob Internet und IKT genutzt werden, wird auch maßgeblich durch Alter und Bildungsgrad mitbestimmt. Das Geschlecht spielt hier mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Im Jahr 2018 waren 650.000 Österreicher*innen sogenannte „Offliner“. Einem Drittel der Erwachsenen fehlen digitale Grundkompetenzen um digitale Angebote gut nutzen zu können. Die Vorteile der Digitalisierung können somit nicht von allen genutzt werden, was sich gerade auch in Zeit der Covid-19 Pandemie am Beispiel der Schulen gezeigt hat. Aber nicht nur die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten zu Technologien schaffen Ungleichheiten, sondern auch die Gestaltung der Technologien. Digitale Technologien spiegeln häufig die Lebensrealitäten jener wieder, die sie entwickelt haben. Nur 18 % der IT-Spezialist*innen in Österreich sind weiblich.

Auch Johanna Pirker, die am Institut für Interactive Systems and Data Science der TU Graz forscht und lehrt, betonte die Bedeutung interdisziplinärer- Teams und die Einbindung diverser Nutzer*innengruppen für eine erfolgreiche Technologieentwicklung. Die Frage was die Covid-19 Pandemie für den Einsatz von partizipative Methoden bedeuten kann wurde in der anschließenden Diskussion der Teilnehmer*innen aufgegriffen.

Als nächster Programmpunkt wurde der Open Space für Ideen und Themen der Teilnehmer*innen geöffnet, aus dem sich Ideen für erste weiterführende Netzwerk-Arbeitsgruppen entwickelt haben. Diese Initiativen wollen zu folgenden Themen weiterarbeiten:

  • Technologiebildung
  • Digitale Inklusion und Partizipation
  • Partizipative Entscheidungen digital fällen
  • Spielerische Ansätze
  • Community Building
  • Die Rolle und Möglichkeiten von NGOs und NPOs
  • Chancengleichheit in Technologieentwicklungsprozessen - wie einspeisen?

 

Moderiert wurde die Veranstaltung von Ruth Picker, Aliette Dörflinger und Georg Tappeiner.

Die Startworkshops der Arbeitsgruppen sind für Ende November geplant. Der nächste gemeinsame Workshop findet im März 2021 statt. 

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen sehr herzlich und freuen uns mit den Impulsen und Ergebnissen der Auftaktveranstaltung weiter zu arbeiten.

 

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Feedback-Highlights zur Veranstaltung aus dem Chat der Teilnehmer*innen: 

„Tolle Moderation im virtuellen Raum - Open Space hat super geklappt, gefällt mir gut!“

„Was nehme ich mit: 1. Wie man eine Konferenz digital gut gestalten kann! tolle Menschen mit vielen inklusiven Ideen“

„Spannende Inputs, interessant zu sehen wie viel unterschiedliche Organisationen sich mit Thema befassen“

„Viele Links & neues Tool.“

„Auch online Netzwerken funktioniert super!“

„Ideen und Inspiration - vielen Dank für die tolle Organisation!“

„als erste grosse Online-Konferenz die ich erleben konnte bin ich von dem Medium jetzt mehr überzeugt als zuvor, es kann viel bringen ...“