Horizon Europe: Politischer Hintergrund

Horizon Europe, das 9. Europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation für die Jahre 2021 bis 2027, steht vor dem Hintergrund des Klimawandels und der digitalen Transformation im Zeichen bedeutender gesellschaftlicher Umbrüche. Dies manifestiert sich auch im Green Deal der Europäischen Kommission, mit dessen Hilfe Europa bis 2050 der „erste klimaneutrale Kontinent“ werden soll.


Ein zentrales Anliegen von Horizon Europe ist es, die Resilienz demokratischer Systeme im Falle von Krisen zu stärken, wie etwa Pandemien, Naturkatastrophen oder Cyberattacken. Das 9. EU-Forschungsrahmenprogramm wird nach aktuellem Diskussionsstand mit einem Budget von rund 95,4 Milliarden Euro ausgestattet sein (Stand November 2020).

Es bündelt Maßnahmen, die im Zuge eines umfangreichen strategischen Planungsprozesses aufeinander abgestimmt wurden. Dadurch sollen Forschung und Innovation zur bestmöglichen Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen und Transformationsprozesse beitragen.

Horizon Europe baut auf den Erfolgen des Vorgängerprogramms Horizon 2020 auf und wird weiterhin den gesamten Forschungs- und Innovationskreislauf unterstützen. Bürgerinnen und Bürger werden jedoch stärker eingebunden, und der Nutzen von Forschung und Innovation soll – etwa durch Fortschritte im Gesundheits- und Umweltbereich – noch deutlicher kommuniziert werden. Dazu dienen auch die erstmals etablierten Missionen mit klar definierten, messbaren Zielen.

Während die in Säule 1 (Wissenschaftsexzellenz) gebündelten, weitgehend themenoffenen Programme Europäischer Forschungsrat, Marie Sklodowska Curie-Maßnahmen und Forschungsinfrastrukturen hohe Kontinuität gegenüber dem Vorgängerprogramm Horizon 2020 aufweisen, gab es einige markante Änderungen in Säule 2 (Globale Herausforderungen und Industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas) und Säule 3 (Innovatives Europa).

So wurden die Themen aus den bisherigen Horizon 2020 Säulen Industrielle Technologien und Gesellschaftliche Herausforderungen in sechs thematische Cluster zusammengefasst, um interdisziplinäre Lösungsansätze und die stärkere Zusammenarbeit zwischen dem akademischen und dem unternehmerischen Sektor zu fördern.

Der bereits gegen Ende von Horizon 2020 pilotierte Europäische Innovationsrat (European Innovation Council, EIC) wird in Horizon Europe ausgebaut. Er soll dazu beitragen, dass die EU bei bahnbrechenden, marktschaffenden Innovationen eine führende Position einnimmt.

Die wohl markanteste Änderung betrifft die Einführung von Missionen: Führende ExpertInnen haben gemeinsam mit der Öffentlichkeit fünf Missionen definiert, die als inspirierende, messbare und für BürgerInnen gut sichtbare Vorhaben (z. B. 100 klimaneutrale Städte bis 2030) den Mehrwert europäischer FTI-Investitionen illustrieren sollen. Alle Missionen sind mit zwei oder mehr der sechs thematischen Cluster verbunden, wodurch ein ganzheitlicher Ansatz unterstützt wird.

Diese Änderungen wurden erstmals im Zuge eines umfassenden strategischen Planungsprozesses erarbeitet, der auf die bestmögliche Abstimmung zwischen den Komponenten von Horizon Europe abzielt. Die Planung erfolgte im Co-Design-Format in Kooperation zwischen den involvierten Abteilungen der EU-Kommission, Mitgliedstaaten, ExpertInnen und unter Einbindung von Interessensvertretungen und BürgerInnen.

Auch die Europäischen Partnerschaften wurden in Horizon Europe umstrukturiert und im Rahmen eines strategischen Koordinationsprozesses zwischen der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten in ihrer Anzahl stark reduziert (von über 100 auf 48). Dies ermöglicht, die europäischen und nationalen Fördermittel der Partnerschaften wirksam und in Abstimmung mit Clustern und Missionen einzusetzen.

Der Horizon-Europe-Programmbereich Ausweitung der Beteiligung und Stärkung des Europäischen Forschungsraums steht unter dem Motto “advancing together“. Er soll mit vielfältigen Maßnahmen die Ungleichheiten im FTI-Sektor innerhalb Europas reduzieren und Verbindungen zwischen Forschungs- und Innovationsakteuren in ganz Europa stärken.

Die politische Vision eines revitalisierten Europäischen Forschungs- und Innovationsraums (A new ERA for Research and Innovation) bildet den Rahmen für alle Maßnahmen in Horizon Europe bzw. die Basis für Synergien mit anderen europäischen und nationalen Fördermitteln. Vier zentrale Ziele werden dabei gesetzt:

  1. Jene Investitionen und Reformen haben Vorrang, die die grüne und digitale Transformation beschleunigen.
  2. Verbesserter Zugang zu Exzellenz, um in ganz Europa stärkere Forschungs- und Innovationssysteme zu etablieren, auch unter Nutzung regionaler Smart-Specialisation-Strategien.
  3. Überführung von Forschungs- und Innovationsergebnissen in die Wirtschaft, mit dem Ziel die Resilienz und globale Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern.
  4. Vertiefung des Europäischen Forschungsraums durch weitere Fortschritte in der europäischen Integration. Besonderes Augenmerk wird auf Karriereperspektiven von ForscherInnen in Europa gelegt und auf die Vernetzung zwischen Bildung, Forschung, Ausbildung und Arbeitsmarkt.

Kontakt

Mag. Andrea Höglinger
Mag. Andrea Höglinger
Koordinierende Nationale Kontaktstelle Horizon Europe
T +43 5 7755 4001
andrea.hoeglinger@ffg.at